Vermarktung des Einzelhandels im Zeitalter der Online-Shops

28 Okt
28. Oktober 2014

Der Wandel vom Einzelhandel hin zum Onlineshopping war nicht nur Thema im bayerischen Fachabitur des vergangenen Schuljahres, sondern stellt sowohl für die Vielfalt der Städte, als auch für die Beschäftigten in den Läden, ein immer größeres Problem dar. Im Internet lassen sich dank Amazon, eBay und Co. fast alle Waren bestellen. Fast, da es für bestimmte Warengruppen noch keine ausgereiften Geschäftsmodelle im E-Commerce Bereich gibt, wie Lebensmittel, die aufgrund deren Verderblichkeit noch von wenigen Personen über das Internet bezogen werden – wobei, wenn man in Richtung Lieferando, Lieferheld und weiteren Lieferservice Portalen sieht, scheint auch in diesem Markt ein Potenzial zu liegen.

Wie sich das Nutzungsverhalten der Kunden verändert
Zugegebenerweise ist es angenehm, sich einfach durch das Netz zu klicken, auf eine schier unbegrenzte Auswahl von Produkten zuzugreifen und sich das materielle Gut später bequem bis an die Haustür liefern zu lassen. Außerdem gibt es im Internet Preisvergleiche, die es ermöglichen den einen oder anderen Euro zu sparen. Gelegentlich, wenn man etwas benötigt und man nicht darauf warten kann oder möchte, dass der Postbote in zwei Tagen klingelt, überlegt man sich dann doch mal wo man die Ware im Geschäft kaufen könnte, und sucht häufig, wenn überhaupt auffindbar, im Netz wann der entsprechende Laden geöffnet hat.

Das Problem: Läden gehen im Zeitalter des Online-Shops ein
Das hat zur Folge, dass viele Läden, was insbesondere an den Stadtbildern von Kleinstädten zu beobachten ist, eingehen. Deren Angestellte werden nicht mehr benötigt und in den Lagern der Versandhändler werden Mitarbeiterkosten möglichst wegrationalisiert. Aus den Schauläden der Städte verschwinden Stück für Stück hübsche Klamotten und knallbunte Rabattschilder. Zurück bleibt ein „Zu Vermieten“ Schild, das gefühlt immer seltener schnell wieder verschwindet.

Wie kann man dem Problem entgegnen?
Ausgehend von dieser Beobachtung machte ich mir schon öfter Gedanken mit welchen Mitteln man diesem Trend entgegenwirken kann. Ich persönlich sehe neben den häufig teureren Preisen für Produkte den fehlenden Komfort als größtes Problem. Daraus entstand bei mir die Idee einer App, in der man das gewünschte Produkt suchen kann, und angezeigt bekommt in welchem Geschäft, und am besten noch zu welchem Preis, dieses in der Nähe verfügbar ist. Denkt man den Gedanken weiter wird aber schnell klar, dass dies nicht realistisch ist, da es Millionen von Produkten gibt und die Wahrscheinlichkeit, ein bestimmtes davon in der Umgebung zu finden äußerst gering ist. Außerdem müssten alle Geschäfte ihr Produkte irgendwie indexieren, was für viele technisch eine zu große Hürde darstellen sollte. Produkte in Kategorien einzuteilen wäre eine Alternative, wobei dann wieder Preis und Verfügbarkeit nicht ersichtlich sind, und folglich auch die Öffnungszeiten von Geschäften ausreichend wären – ganz davon abgesehen, dass es wenig erfolgsversprechend scheint, Geschäfte flächendeckend in eine solche App zu bekommen, zumal es bereits andere Lösungsansätze gibt.

Eine der wohl einfachsten Lösungen bietet Google, wenn es um die Öffnungszeiten geht: Name des Ladens mit Ortsangabe googeln, und man sieht wann der Laden geöffnet ist. Sofern er denn eingetragen ist, was durchaus nicht überall der Fall ist. Wenn man dazu noch Bewertungen der Läden finden möchte, helfen Apps wie Yelp weiter, wobei dort noch weniger Firmen ordentlich vertreten sind als in der Google Suche. Und vom Smartphone aus auf der Webseite des Ladens, welche vor den Zeiten von Mobile Devices entstand, die Öffnungszeit zu suchen kann man auch nicht als Praliné des Komforts bezeichnen.

Gibt es denn überhaupt Lösungen?
Ich denke die größte Hürde ist technischer Natur, sodass viele Einzelhändler nicht wissen wo und wie sie ihr Geschäft eintragen können, damit es gefunden wird. Ob es dafür einen Markt gibt? Wie es scheint schon, wobei man, genauso wie (auch) im Bereich der Suchmaschinenoptimierung, einige Unternehmen findet, denen ich als hypothetischer Ladenbesitzer aufs erste nicht mein Vertrauen schenken würde. Darunter findet man, wenn auch noch wenige, Unternehmen wie Omnea, die das ganze meiner Ansicht nach in transparenterer und seriös wirkender Form anbieten, und in diesem Fall sogar vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert werden. Das Unternehmen offeriert die Eintragung der Läden in Portale wie Google, Facebook, Yelp und Co. und Verbesserung aktueller Einträge in den Portalen, sodass ein einheitliches Bild samt korrekter Informationen über die lokalen Geschäfte auffindbar ist.

Laut einem Artikel von Deutsche Startups, der Anfang des Jahres erschien, ist dieses Geschäftsmodell in Deutschland noch recht wenig etabliert, wobei in den USA bereits Unternehmen für solche Dienstleistungen, von denen hierzulande Copycat Startups (engl. für ‚Nachahmer‘) wie Omnea entstehen, Erfolge feiern können.

Wenn wir auf die Bilder der Städte schauen, so ist zu hoffen, dass sich solche Lösungen auch hier in Deutschland etablieren und dem Einzelhandel mit erschwinglichen Preisen die Hürde Technik nehmen, bevor noch mehr Schauläden leer stehen. Zumindest aus der Sicht des Einzelhandels. Wofür sich der Kunde letztlich entscheidet, ob für einen Online-Shop oder den Laden nebenan, wird meiner Meinung nach langfristig auch eine bessere Auffindbarkeit der Läden nicht entscheiden, sondern die Konkurrenzfähigkeit dieser. Insbesondere hinsichtlich der im Laufe der Jahre wachsende Medienkompetenz, die immer mehr Menschen in unseren Regionen ins Internet verschlägt und der immer schnelleren Logistikunternehmen, könnte der Markt in den kommenden Jahren weitere Läden aus unseren Innenstädten fegen.

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1 antworten
  1. Tim says:

    Morgen Jan,

    wie Du schon schreibst sehe ich auch die günstigen Preise und den bequemen Einkauf als Hauptvorteile der Onlineshops. Außerdem habe ich im Internet eine sehr viel größere Auswahl, kann mir Dank unzähliger Tests und Bewertungen einen umfangreichen Eindruck vom dem Produkt machen und in Foren über Kaufentscheidungen diskutieren. Im Geschäft muss ich mich hingegen auf den Verkäufer verlassen, der mir -wie die Bezeichnung ja schon sagt- etwas verkaufen will, mich also auch recht einseitig berät.

    Wenn ich mir das Thema ein wenig durch den Kopf gehen lasse fällt mir auf, dass ich überwiegend technische Geräte im Internet bestelle. Ich würde sogar darauf tippen, dass das auch allgemein so ist. In den Städten reihen sich Klamotten- und Schuhläden aneinander, Elektronik bieten die wenigsten an. Dafür fallen mir spontan auch nur MediaMarkt/Saturn ein, die ja zur Metro AG gehören. Karstadt und Kaufhof (Letzteres auch Metro AG) haben eine kleine TV Ecke, ansonsten gibt es eigentlich nur noch lokale Geschäfte für Hardware und Co. In diesem Produktbereich sind wahrscheinlich auch die größten Ersparnisse durch den Onlinekauf möglich. Ob ich mir den neuen TV für 1000€ im Laden kaufe und mich mit der Fahrt nach Hause stresse oder mir das Gerät für 800 € aus dem Internet komfortabel bis zur Haustür liefern lasse ist für den Großteil sicherlich der entscheidende Faktor. Dagegen zahle ich beispielsweise für das Basic T-Shirt von H&M online geschätzt 3 € + 5 € Versand, hinterher passt es nicht und ich muss mich wieder um den Rückversand kümmern, dann doch lieber gleich in die Stadt.

    Ich denke, grundsätzlich haben viele Einzelhändler den Trend des Onlineshoppings einfach verpasst, dass bekommen dann selbst große, etablierte Warenhäuser zu spüren. Die Konkurrenz schläft eben nicht, mangelhafte Internetauftritte der Geschäfte sind meiner Meinung nach nicht der (Haupt)Grund für rote Zahlen. Die Quasi-Monopolisten Amazon, eBay und (der außerhalb von China eher unbekannte Gigant) Alibaba [soll angeblich weit mehr Umsatz als Amazon und eBay zusammen machen] haben auch mal klein angefangen (und wurden eventuell so belächelt wie Ballmer über das erste iPhone, dem Konzept des Smartphones, lachte), aber nun stehen sie an der Spitze und die Einzelhändler haben in der Tat nichts mehr zu lachen. Für mich sind das klare Fehlentscheidungen auf Leitungsebene, wie das Enden kann sehen wir ja am seit Jahren wankendem Karstadt…

    So, ich komme nun auch endlich zum Ende ;-))
    Grüße
    Tim

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