Öffentlich-rechtliche Fernsehsender neustrukturieren

03 Nov
3. November 2013

ARD, ZDF und die dritten Programme sind uncool, langweilig und altbacken. Was willst du denn mit den Omasendungen. Das ist gefühlt so die vorherrschende Meinung über die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in meiner Altersklasse. Und ich kann dies teilweise auch nachvollziehen. Im Vergleich zu den meisten amerikanischen Produktionen, die das Privatfernsehen ausstrahlt, werden (abgesehen vom Daily Soap Trash), wirken viele deutsche Produktionen in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern etwas angestaubt.

Auf den Spartensendern der Öffentlich-Rechtlichen finden sich hingegen teilweise wahre Perlen – je nach Geschmack versteht sich. Beispielsweise wurden Joko und Klaas über neoParadise auf ZDFneo bekannt. In einem Spartensender zu einer Spartenzeit. Auf Dauer nicht gerade attraktiv, weshalb man auch nachvollziehen kann, dass sie mit Circus HalliGalli zu Pro7 abgewandert sind. Eine große Reichweite direkt nach der Primetime. Ich finde dieses Beispiel zeigt auf, dass in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern durchaus alternative Ideen geboren werden können, jedoch seitens der Intendanten nicht besonders viel Risikofreude besteht, diese Formate der breiten Masse zugänglich zu machen.

Wenn wir den Horizont etwas erweitern, sehen wir, dass es in anderen Ländern auch so etwas wie öffentlich-rechtliche Fernsehsender gibt und es dort teilweise anders läuft. Mein Lieblingsbeispiel ist in dem Bezug BBC. Die British Broadcasting Corporation hat eine Verpflichtung ähnlich dem deutschen Rundfunkstaatsvertrag und entsprechend eine öffentliche Finanzierung, auch wenn sich diese anders zusammensetzt als in Deutschland. Jedoch ist die Programmstruktur des BBC essenziell anders als die der deutschen Sender.

Die Sender von BBC sind themenspezifisch aufgebaut sodass BBC One den Schwerpunkt auf Massenunterhaltung legt, BBC Two ein inhaltlich anspruchsvolles Programm bietet, BBC Three Kultur, Drama, Humor ausstrahlt und BBC Four für Kultur- und Bildungsfernsehen zuständig ist. Dazu gibt es noch BBC News, welcher 24 Stunden Nachrichten bringt, CBBC als Kinderprogramm und CBeebies für Kleinkinder. Sehen wir uns hingegen die deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender an, so haben wir mit ARD und ZDF zwei Vollprogramm-Sender. Dazu kommt jeweils mindestens ein drittes Programm, welches regionsabhängig ist. Konkret haben wir davon in Deutschland neun Stück wie z.B. BR, NDR oder SWR. Und nicht vergessen werden sollten auch die Spartensender wie BRalpha, 3sat oder ARTE. An der Zahl sind das noch einmal zwölf Stück.

Fassen wir zusammen. In Deutschland haben wir, wenn ich keinen vergessen habe, 23 Fernsehsender, die 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche senden und aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Im Vergleich sind es in Großbritannien nur 7 Sender. Jetzt könnte man meinen, dass bei einer solchen Vielfalt von Sendern in Deutschland doch alles prima wäre. Doch vergleicht man, so sieht man, dass BBC weltweit durch deren Berichterstattung eine gewisse Relevanz aufweist, wohingegen die deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender kaum Beachtung erhalten.

Ich denke dies liegt dran, dass wenn man einen Kuchen durch Sieben teilt wesentlich mehr Budget für aufwendigere Produktionen übrig bleibt, als wenn man dreiundzwanzig Teile aus dem Kuchen schneidet. Und durch eben jene thematische Fokussierung des BBC denke ich ist es diesen möglich ein qualitativ hochwertiges Programm mit investigativen Recherchen auf die Beine zu stellen, welches folglich zurecht auch außerhalb der Landesgrenzen Beachtung erhält. Ganz davon abgesehen, dass das BBC natürlich in Englisch arbeitet, was die Verbreitung schlicht und einfach wesentlich vereinfacht.

Was bleibt nun nach der Aufzählung dieser Daten? Ich persönlich würde es befürworten, wenn sich hier in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender umstrukturieren würden, sodass im Endeffekt weniger Quantität und mehr Qualität rauskäme. Dass so etwas jedoch in weiter Ferne ist, zeigt allein schon das Beispiel von Joko und Klaas, die von Pro7 abgeworben wurden.

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2 Antworten
  1. Marcus-Fabian says:

    Endlich sagt mal jemand dass, was ich mir schon die ganze Zeit denke.
    Ich fände es auch viel besser wenn es nur „Sieben“ öffentlich-rechtliche Sender wären, die aber ein hohes Maß an qualität aufweisen würden.

    Ich finde es nur total Schade dass man da nicht einfach eine Petition einreichen kann, die auch wirklich etwas schnell bewirken könnte

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  2. alexbloggt says:

    Stimme dir voll zu!
    Das aktuelle Programm der öffentlich-rechtlichen kann man größtenteils in die Tonne treten. Es gibt nur wenige gute Sendungen (z.B. „heute show“, „Walulis sieht fern“, „Zapp“ etc.), häufig jedoch laufen Volksmusiksendungen, Talk-Shows (gerne auch mehrere parallel) oder nachmittags Telenovelas. Wenn man sich dann noch ansieht, wie die Politik Einfluss auf die Sender nimmt, kann auch von einer Unabhängigkeit kaum mehr die Rede sein (Stichwort Schächter-Bellut).
    Hinzu kommen die unzähligen Lokalsender, die nur dank der Förderung der Politik überleben – kleine Kommunalpolitiker brauchen schließlich auch ihre Bühne, das ist dann schon mal zig Tausend € pro Sender und Jahr wert (die Sender an sich sind zwar privat, aber ohne Förderung durch Bund und Länder nicht überlebensfähig – Werbeeinnahmen machen nur einen Bruchteil ihrer Finanzierung aus).
    Ich glaube ehrlichgesagt nicht, dass sich bei den öffentlich-rechtlichen in naher Zukunft etwas ändern wird, solange die politische Einflussnahme auf die Sender nicht massiv zurückgeht.

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