Was ist eigentlich Debian GNU/Linux?

22 Jan
22. Januar 2014

Viele die hier mitlesen werden Debian, bzw. wenn du es auf dem Raspberry Pi nutzt, Raspbian, auf ihren Linux-Maschinen nutzen. Doch was ist Debian eigentlich und welche Alternativen hierzu gibt es? Und wer steckt hinter Debian? Diesen Fragen möchte ich in den folgenden Zeilen auf den Grund gehen.

Das Debian Projekt – im vollen Namen Debian GNU/Linux – wird seit 1993 entwickelt und zählt damit zu den ältesten Linux-Distributionen. Es beinhaltet grundlegende Systemwerkzeuge des GNU-Projektes sowie den Linux-Kernel. Nebenbei bemerkt ist das heute bekannteste Fork (Abspaltung) von Debian Ubuntu, welches ebenfalls auf diversen Rechnern läuft. Mit über 1.000 offiziellen Entwicklern, die sich heute an dem Projekt beteiligen, ist Debian auch in diesem Bereich keineswegs klein.

Debian GNU/Linux ist also eine Linux-Distribution. Doch was ist darunter zu verstehen? Als eine Distribution wird in der Linux-Welt eine Sammlung von Programmen bezeichnet, die als Kern des Ganzen den Linux Kernel benutzt. Wenn ich es Leuten mit wenig technischen Kenntnissen erklären soll, beschreibe ich eine Linux-Distribution wie ein Molekül, bei dem es in der Mitte ein Atom gibt (den Linux Kernel), an dem diverse kleinere Atome (andere Software) haften. Des Weiteren haben die meisten Linux-Distributionen einen Paketmanager (im Falle von Debian Dpkg mit der Oberfläche Advanced Packaging Tool kurz APT), der die ganze Software in Paketen verwaltet, sodass sie meist durch nur ein Kommando installiert, verwaltet, aktualisiert oder deinstalliert werden können.

Strukturiert ist das Debian Projekt recht demokratisch. Jeder, der offizieller Entwickler werden möchte, muss einen Fähigkeitentest bestehen, es gibt regelmäßig Wahlen, bei denen über Änderungen an der Software und der Struktur des Projektes abgestimmt wird und es gibt die Debian-Verfassung, die grundsätzliche Leitlinien definiert. Dabei verpflichtet sich das gesamte Projekt zusätzlich mit dem Gesellschaftsvertrag Debian Social Contract zu freien Werken – meist Software, da es ja ein Software-Projekt ist. Bei Debian gibt es aufgrund der Größe natürlich auch einen Projektleiter. Dieser wird jährlich neu gewählt. Und der Philosophie des Projektes nicht genug werden alle Probleme, einschließlich Sicherheitslücken, öffentlich diskutiert. Das hat zur Folge, dass Fehler schneller identifiziert und gelöst werden können, bringt jedoch den Nachteil mit sich, dass jeder auch vor der Lösung des Problems diese Lücken ausnutzen kann.

Die aktuelle Version von Debian hört auf den Namen Wheezy (Version 7). Die Vorgänger hießen Squeeze, Lenny und Etch. Bei Fans der Toy Story Filme sollten nun die Glocken klingeln, denn alle Debian Versionen seit Version 1.1 (17. Juni 1996) sind nach einem Charakter aus den Filmen benannt, was dadurch bedingt ist, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Debian 1.1 Bruce Perens, der bei Pixar arbeitete, der Projektleiter war. Und diese Tradition der Benennung zog sich bis heute durch.

Welche Vorteile bietet Debian im Vergleich zu anderen Linux-Distributionen? Im Allgemeinen ist es als sehr stabil bekannt, was nicht zuletzt an der strengen Qualitätskontrolle liegt. Mit über 20.000 Softwarepaketen bietet es eine breite Vielfalt an Software und unterstützt dabei mehr Prozessor-Architekturen als jede andere Linux Distribution. Es gibt jedoch nicht nur Positives über Debian zu sagen. Am gefühlt häufigsten hört man als negativen Punkt den Veröffentlichungszyklus, der mit einer stabilen Version alle 1-3 Jahre nicht gerade engmaschig ist. Jedoch denke ich, trägt dies wiederum zur Stabilität bei. Was auch für den zweiten Punkt gelten wird: Das Debian Projekt gilt als konservativ, da es neue Technologien nur sehr spärlich aufnimmt.

Wo wird Debian nun eingesetzt? Laut einer Umfrage von Heise online (nur für Deutschland repräsentativ, jedoch spiegelt das meines Erachtens nach die Lage gut wieder) aus dem Jahr 2009 war Debian mit 47% das meist verwendete Server-Betriebssystem. Insbesondere für Web-Server ist Debian sehr beliebt. Auf Desktop-Rechnern hingegen haben andere Systeme, im Bezug auf deren Verbreitung, die Nase vorne.

Als verbreitete Alternativen zu Debian als Server-Betriebssystem ist Arch Linux und CentoOS zu nennen. Auf Seiten der Betriebssysteme für Desktop-Rechner schlagen sich Linux Mint und Ubuntu momentan am besten. Ausführliche Zahlen und Informationen zu den verschiedensten Linux-Distributionen finden sich auf Distrowatch.com.

Mit diesem kurzen Artikel hoffe ich euch einen kompakten Überblick gegeben zu haben, was Debian ist, was das Projekt ausmacht und was für Alternativen es gibt. Dabei versuchte ich bewusst technisch oberflächlich zu bleiben, damit es möglichst auch mit wenig Vorwissen verständlich bleibt.

Dir hat der Artikel gefallen?
Teile ihn mit deinen Freunden!
1 antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] nicht sicher mit dem Begriff “Distribution” fühlt, dem empfehle ich einen früheren Artikel von Jan, in der er Debian Linux erklärt. Dort erwähnt er auch, was eine Distribution […]

Antworten

Kommentar verfassen

JanKarres.de © 2007-2017