Die Einsamkeit des lebendigen Netzes.

17 Mai
17. Mai 2014

Das Internet tickt Tag und Nacht. Während man schläft wachsen neue Informationen, neue Gedanken und neue Systeme – weltweit. Könnte man das Netz aus der Vogelperspektive betrachten, so wäre es wahrscheinlich ein riesiger Ameisenhaufen, der zu jeder Tageszeit wuselt. Er würde Lebendigkeit versprühen, da immer etwas geschieht, und dabei neben den Maschinen, die diese erst ermöglichen, Millionen von Menschen kommunizieren – Tag ein, Tag aus.

Aber trotzdem birgt das Netz Einsamkeit, denn am Ende jeder Leitung sitzt ein Mensch. Manchmal auch mehrere, aber häufig nur einer. Einer, der in seinen Bildschirm schaut, den wuselnden Ameisenhaufen beobachtet, und damit ein Teil davon ist. Aber auch einer, der eben physisch alleine ist.

In den vergangenen Jahren verbrachte ich eine menge Zeit vor den bunten Quadraten. Über das Netz lernte ich einige Leute kennen, mit denen ich Projekte plante und umsetzte. Über meinen Blog kamen einige Kontakte zustande, mit denen ich später über andere Kommunikationswege schrieb und redete. Doch trotz alledem finde ich eine gewisse Einsamkeit vor, denn am Ende des Tages, wenn ich den Bildschirm zuklappe, sitze ich alleine vor meinem Schreibtisch, der so viel Lebendigkeit versprüht, wie ein Stück Holz eben Lebendigkeit versprüht.

Vor nun etwas mehr als sechs Jahren zog ich an den Ort, an dem ich heute lebe. Einen größeren Teil des Tages verbringe ich nicht an diesem Ort, sondern inmitten von München, da dort meine Schule ist. Die meisten bei uns an der Schule sind rund um München verteilt, sodass man selten mal schnell was unternimmt. Zuhause hier in Olching ging ich in einen Sportverein, in der Annahme, drüber Anschluss zu Anderen zu finden. Jedoch hatte ich in der Zeit, in der ich regelmäßig im Jugendtraining war, das Gefühl, dass jeder jeden kennt, da alle zum Gymnasium gehen. Dort Anschluss zu finden als einer der Wenigen, die nicht jeden Tag in der Schule sichtbar sind, ist folglich nicht ganz einfach. Dabei sollte man nicht außer Betracht lassen, dass ich jemand bin – und auch in meinen jugendlicheren Tagen war -, der nicht einfach rumhängen, chillen oder den ganzen Tag verzocken möchte. Ich würde mich als jemanden beschreiben, der versucht, die Zeit zielstrebig zu nutzen um etwas zu schaffen – wie diesen Blog.

Diese beiden Faktoren sorgten dafür, dass ich mich seit etwa sechs Jahren, da durch den Umzug auch keine Freundesbasis aus früheren Jahren besteht, häufig vor den bunten Pixeln wieder finde und an Projekten arbeite. Mit Anderen zusammen, mit denen mal viel schreibt, manchmal auch quatscht – doch nicht am Abend auch mal einfach rumhängen oder gar rumziehen kann.

Der Sinn dieses Beitrags? Mir fiel einfach in den vergangenen Monaten auf, dass diese Lebendigkeit im Netz eine Andere als im Leben außerhalb der Quadrate ist, denn dort ist, egal wie bewegt das Netzleben ist, eine andere Form der Lebendigkeit von Bedeutung, denn ansonsten macht sich ein Hauch von Einsamkeit breit.

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9 Antworten
  1. Karsten Schulz says:

    Rekursion, zu einem sehr großen Anteil sind die Menschen die ständig am Computer arbeiten Technokraten und Kreationisten. Diese Menschen haben ihre Stärke in Cognitiven eigenschaften, die Emotionlan hingegen sind im Vergleich dazu eher verkümmert. Das geht soweit das ein Kreationist unter normalen Menschen niemals Anschluss im vollem Umfang erlangen wird, denn er ist nicht im stande Emotional zu Kommunizieren sondern wird stehts die Cognitve einsetzen um damit auch Soziale -Kompetenz zu genrieren, andere werden sagen er „lacht flasch“ oder schaut dem Gegenüber nicht ins gesicht um sich emotional mitzuteilen. Denn nichts anderes zählt bei den Menschen als die Emotionale ausdrucksfähigkeit. Über diese und nur über diese wird Fastzination für das vermittelt was man representieren möchte. Wenn jemand nach unten schaut und von seinem großartigen Softwareprojekt berichtet, oder dies tut ohne eine Mine zu verziehen wird auch niemand eine Mine verziehen und die Vorstellung ist beendet bevor sie angefangen hat.
    Beipiel z.B Autofirmen die preisen auf Ihrer Internetseite nicht die tollen Zahnräder an sondern das Fahrgefühl. Wir als technokraten und Kreationisten sind verdammt dazu
    nur unter unsers gleichen zu weilen, sonnst wären wir nicht die die wir sind.

    Erst wenn Du dein Leben in vielen abertausenden Stunden vor deinen Projekten verbracht hast bist Du im stande diese zu verstehen für alles andere ist das Gehirn nicht großgenug.
    Kretionisten sind Lokal Systemanalysten und haben spass hier zu interagieren, nirgendwo wird es mehr Feedback geben als hier, die anderen müssen tanzen um das zu erreichen.

    Grüße Karsten Schulz informatican since 1978

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    • Jan Karres says:

      Ich möchte dir nicht zu Nahe treten, aber ich denke es kommt immer drauf an ob man gewillt ist daran was zu ändern, denn der Wille dazu ist der Grundbaustein jeder Veränderung.

      Ich persönlich denke, dass man da schon was machen kann. Aus dem Willen heraus verschieben sich die Prioritäten, damit das Umfeld und damit auch der Zustand. Wenn man die Probleme bereits erkannt und analysiert hat weiß man ja auch an welchen Schrauben man drehen sollte – mit Betonung auf sollte. Es wird sich nicht von heut‘ auf morgen verändern, aber mit ein paar Monaten oder ein zwei Jahren Geduld denke ich sollte da schon was gehen 😉

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  2. M. says:

    Willkommen bei den Nerds 😉

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    • Jan Karres says:

      Ui, ich glaube M. (btw: sehr unanonym) muss noch mal den Unterschied zwischen Geek und Nerd nachlesen, denn da gibts doch mehr Punkte Charaktermerkmale – ganz davon abgesehen, dass man meiner Auffassung nach von einem Nerd von der Definition her sagen kann, dass er mit der Situation des alleine Seins (Stichwort introvertiert) zufrieden ist 😉

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      • M says:

        Ich persönlich unterscheide nicht zwischen Geeks und Nerds. Mag aber auch an der Generation liegen aus der ich komme. Ich fürchte nur aus eigener Erfahrung, dass sich die Situation eher weniger ändern wird. Ich kann Dir empfehlen, diverse Kongresse zu besuchen (C3, Republica). Hier wirst Du viele „gleichgesinnte“ treffen. Vielleicht hilft Dir das bei Deinen langfristigen Entscheidungen welchen Weg Du einschlagen willst.
        Meine erste Antwort sollte übrigens keinesfalls negativ rüberkommen 😉

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  3. Malte says:

    Es gibt doch genug Möglichkeiten an Leute zu kommen, Freunde zu finden und Spaß zu haben.
    Ich lese immer und gerne deinen Blog, bin genau wie du, Zielstrebig und möchte meine Zeit sinnvoll nutzen. Programmiere viele Projekte usw. Dennoch habe ich einen wirklich breiten Freundeskreis. Wie kommts? Ich bin sehr aktiv und fahre dann auch mal gerne für das Real Life den Computer herunter. Geh einfach raus: Abends auf eine Party. Falls das nichts für dich ist, dann such dir doch einen anderen Sportverein. Es gibt doch genug Vereine und Sportarten. Spielst du zufällig ein Instrument? Ansonsten lerne einfach eins! Du kommst damit auf ganz andere Gedanken! Gitarre z.B. kannst du dir selbst schnell beibringen und damit punktest du auch bei der Frauenwelt 😉
    Es gibt aber auch diverse Organisationen, in denen man unglaublich viel Spaß haben kann, wie bspw. CVJM (sind ja heutzutage in so gut wie jeder Region). Dort könntest du auch gleich deine gelernten Gitarrenkentnisse anwenden.

    Also fahr mal den PC runter, gib dir selbst einen Ruck und schau dir die prächtige Welt da draußen an. Lass die Armeisen Armeisen sein: Die krabeln schon weiter und schaffen es auch mal ohne deine Hilfe.

    Also geh gefälligst raus und leb dein Leben! Die Computerwelt geht dir damit ja nicht verloren!

    Ich hoffe du nimmst dir meinen Text zu Herzen und versucht wirklich auch mal etwas davon umzusetzen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht das richtige für dich ist.

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  4. Martin says:

    Sehr interessante Ansicht. Das mit dem Freundeskreis kenne ich. Allerdings hat sich dieser bei mir nicht durch einen Umzug sehr verkleinert sonder allgemein durch die Arbeit. Kennt man ja bekanntlicher Maßen. Aber ich muss auch sagen ich bin darüber auch nicht gerade „traurig“, denn dadurch festigen sich die echten Freundschaften viel stärker. Außerdem war ich schon immer mehr Einzelgänger, was soll ich sagen andere Menschen nerven mich, eine Ausnahme dabei bilden allerdings die Menschen von denen man viel lernt wenn man mal mehr Zeit mit ihnen verbringt. Das können bei mir zur Zeit ältere Kollegen sein oder einfach Bekanntschaften aus deinem Ameisenhaufen 😀

    Und zu deiner und meiner Zeit vor dem PC, denn es sieht bei mir ähnlich aus, kann ich nur sagen das ich hier mehr lernen als Altersgenossen die sich am Wochenende betrinken etc. was man dadurch lernen sollte, außer vielleicht einige Gesellschaftliche sehr fragwürdige „Bräuche“ bleibt mir unklar.

    Ich kann nur sagen ich finde mein Lebensstil ist der beste, auch wenn das wahrscheinlich jeder über seinen denkt 😉

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    • Jan Karres says:

      „Altersgenossen die sich am Wochenende betrinken etc. was man dadurch lernen sollte, außer vielleicht einige Gesellschaftliche sehr fragwürdige “Bräuche” bleibt mir unklar.“ – sehr schön gesagt. So empfinde ich auch 🙂

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