Raspberry Pi: Raspbmc vs OpenELEC vs XBian – Media Center

05 Jul
5. Juli 2014

Für den Raspberry Pi gibt es einige Distributionen, die XBMC vorinstalliert haben, und für diese Anwendung optimiert wurden. Dadurch wird es möglich, dass auch Full-HD (1080p) Inhalte flüssig auf dem kleinen Computer laufen. Die drei wohl bekanntesten Distributionen sind Raspbmc, OpenELEC und XBian. Von der Oberfläche sind diese weitestgehend gleich, weshalb sich die Frage stellt, welche der drei Distributionen die beste ist, bzw. welche Vor- und Nachteile die Distributionen bieten. Im Folgenden möchte ich diese einmal erläutern, wobei die Erfahrungen auf ein Antesten aller drei Distributionen ohne weitere Tuning-Maßnahmen und Berichten aus dem Netz beruhen. Zu allen der drei Distributionen finden sich in meinem Blog, oben auch verlinkt, Installationsanleitungen.

Raspbmc
Dank eines eigens entwickelten Installers ist Raspbmc schnell und einfach auf die SD-Karte des Raspberry Pis überspielt. Unter der Haube basiert Raspbmc auf Raspbian und bietet damit den gewohnt stabilen Debian-Unterbau. Von Haus aus ist der CPU leicht übertaktet, wodurch das Abspielen von Videos und Musik weitestgehend flüssig läuft. Nur vereinzelt ist es etwas ruckelig oder langsam. Des Weiteren bietet Raspbmc in den Einstellungen die Möglichkeit, SSH zu aktivieren, die Übertaktung hochzudrehen und einige weitere Raspberry Pi spezifische Einstellungsmöglichkeiten. Auch bringt diese Distribution bereits einige Addons out of the box mit sich. Negativ fällt durch den Debian Unterbau auf, dass Raspbmc recht lange zum Starten braucht. Im Gegenzug erhält man jedoch ein gut anpassbares und erweiterbares System.

OpenELEC
Diese Distribution sollte als Image installiert werden und bietet damit eine nicht ganz so einfache Installationsroutine wie Raspbmc. Dafür basiert OpenELEC auf Arch Linux, was ein schlanker Unterbau ist. Dies schlägt sich in der Performance nieder. Das System läuft sehr flüssig und startet deutlich schneller als die Konkurrenz mit Debian-Unterbau. Ziel scheint es zu sein eine aufgeräumte und einfache Oberfläche zu bieten, wodurch sich Tweeks und ähnliches, wie in Raspbmc, weniger in der Oberfläche finden. Folglich benötigen Nutzer, die ihr System trotzdem weiter anpassen möchten, erweiterte Linux-Kenntnisse. Ein weiterer Vorteil von OpenELEC liegt auch darin, dass es dieses nicht nur für den Raspberry Pi gibt und folglich eine große Community im Hintergrund hat.

XBian
Der letzte Vertreter dieser Distributionen hat wieder einen Raspbian-Unterbau (Debian). Das Augenmerk scheint auf einem aktuellen System zu liegen, wodurch Updates für Add-ons häufig bereits früher als bei den anderen Distributionen verfügbar sind. Dank eines eigenen Installers wird hier der Start wieder besonders einfach gemacht. XBian startet schneller als Raspbmc, aber langsamer als OpenELEC. In der Oberfläche wird dem Benutzer die Installation weiterer Software wie Samba, Couch Potato oder Sick Beard dank angepasstem Interface einfach gemacht. Jedoch gibt es nicht nur Positives zu XBian zu sagen: Es kommt von Haus aus mit einer starken Übertaktung des Raspberry Pis, die anscheinend auch nötig ist, da das System auch so vereinzelt etwas ruckelig ist. Außerdem gibt es durch die Aktualität der Add-ons und Co. immer wieder Bugs, mit denen der Benutzer zurecht kommen muss.

Fazit
Alle drei Distributionen haben ihre Vor- und Nachteile. Für Nutzer, die ein schnelles und flüssiges System haben möchten wie auch keine größeren Ansprüche an eine erweiterte Anpassbarkeit haben oder erweiterte Linux-Kentnisse besitzen (folglich Otto-Normal-Anwender), ist OpenELEC auf jeden Fall empfehlenswert. Diejenigen unter euch, die auf dem Raspberry Pi gleichzeitig noch weitere Software laufen lassen möchten oder selbst etwas mehr anpassen möchten ohne richtig tief in der Linux-Materie drin zu hängen, denen ist zu Raspbmc zu raten. Dafür sind geringfügige Abstriche bei der Performance hinzunehmen. XBian wäre eher etwas für Bastler, die immer auf dem aktuellsten Stand sein möchten, wobei ich bezweifle, dass dies bei einem Mediaplayer für viele Nutzer relevant ist. Viel eher denke ich ist Stabilität gefragt, da man am Abend am liebsten ohne Bugs mal einen Film ansehen möchte. Folglich rate ich je nach Präferenz zu OpenELEC oder Raspbmc.

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4 Antworten
  1. René Sonic (@sonicdnb) says:

    Ich habe in der Vergangenheit Raspbmc und OpenELEC probiert.
    Sämtliche Medien liegen bei mir auf einem Synology NAS. Wiedergabe per XBMC war nie ein Problem.

    Was mich jedoch an XBMC stört ist, dass die Libraries und zusätzlich gescrapte Medieninformationen letztendlich auf dem Pi selber liegen. Irgendwann hat mal das System nicht mehr gebootet. Ich musste es neu installieren und alle Libraries neu anlegen, Infos/Cover/etc. neu scrapen lassen von XBMC. Das war sehr zeitaufwendig und nervig.

    Daher bin ich nun zu Plex gewechselt. Auf meinem NAS läuft der Plex Media Server und auf meinem Pi habe ich RasPlex als Client installiert. Der Vorteil ist, dass die Libraries und zusätzlich gescrapte Medieninformationen zentral auf dem Server liegen und auch von dort aus verwaltet werden können. Am Client/Pi selber muss man nur wenige Einstellungen vornehmen um Medien vom Server wiedergeben zu können. Außerdem gibt es noch Plex Clients für diverse andere Platformen, z.B. Android.

    Letztendlich bin ich nun mit Plex wesentlich glücklicher als mit XBMC.

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    • Synology-Besitzer says:

      Dein Synolog NAS hat eine SQL-Server-Funktion, die vom Pi nutzbar ist, um dort Medieninformationen und Thumbs abzulegen 😉
      So greifen alle Pis im Haushalt auf die gleiche Datenbank zu.

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  2. Nordseebaer says:

    Moin,

    erst mal Danke für den Blog – diser hat mir echt weitergeholfen 🙂

    Im Wiki von OpenELEC steht nun, dass selbiges nicht auf Arch oder sonst einer Ditribution basiert. Inwiefern beschneidet das jetzt die Fähigkeiten bezüglich der Erweiterbarkeit? Heißt das, wenn ich will kann ich erweitern muss aber alles selbst kompilieren oder gehts gar nicht? (Zum Beispiel eine Owncloud installieren, Nginx oder einen Jabberserver etc etc…)

    viele Grüße

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    • Jan Karres says:

      Danke für den Hinweis. Habe ich im Artikel ergänzt. Tja, das bedeutet, dass man sich damit auseinandersetzen muss was vorhanden ist – und was nicht. Ich denke ein Paketmanager wird vorhanden sein. Jedoch ist das für Anfänger somit recht kompliziert. Allgemein geht theoretisch das alles zum Installieren.

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