Es lebe der Social Media Positivismus! #OderNicht

05 Sep
5. September 2015

Warum nutzt du Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram? Vielleicht ist deine Antwort, da du an dem Leben deiner Freunde teilhaben möchtest und du mit ihnen das teilen möchtest, was du erlebst. Aber seien wir mal ehrlich, ist das wirklich die Wahrheit? Ich glaube nicht.

Das mag der Grundgedanke von Social Media Plattformen gewesen sein, doch, unabhängig von den wahrgenommenen kommerziellen Möglichkeiten von Facebook und Co, möchte eigentlich keiner an dem wahren Leben von Freunden in sozialen Netzwerken teilhaben. Viel lieber lassen wir uns in unserer Freizeit unterhalten und sehen uns an was für tolle Dinge unsere Freunde erlebt haben, was unsere Freunde erreicht haben und auf welche fantastischen Events unsere Freunde in der Zukunft gehen werden. Und wir posten unsere Highlights, die vielfach geliked werden. Das hat aber nicht viel mit wahrer Teilhabe zu tun.

Unter einer wahren Teilhabe an dem Leben eines Individuums verstehe ich, dass man einen Menschen in seiner Gesamtheit sieht. Genauso wie man einen Menschen nicht nur anhand seines äußeren betrachtet, sondern auch, wenn nicht insbesondere, innere Werte schätzt, sollte man das Leben eines Menschen nicht nur in seinen positiven Zügen wahrnehmen, sondern auch sehen wenn es ihm einmal nicht so gut geht und für ihn da sein.

Wenn ich auf Facebook oder Twitter jemanden sehe, der immer wieder Negatives postet bzw. twittert, dann macht es mir als Leser keinen Spaß da zuzusehen. Es gibt ja nicht mal einen Dislike-Button. Ich bin viel mehr darauf aus den nächsten Hot Shit zu sehen – den ich liken kann. Genau so verhalten sich die meisten Nutzer beim Posten. Sie schreiben was sie tolles an einem fantastischen Tag erlebt haben. Wenn mal etwas Negatives passiert ist, schreibt man das lieber nicht. Steht ja online, öffentlich und für jeden zugänglich. Am Ende sieht das noch der nächste potenzielle Arbeitgeber und möchte einen nicht einstellen, da man ein zu negativer Mensch ist – auf Social Media. Das ist ein Positivismus, den wir auf Social Media Plattformen leben.

Ist diese Selbstzensur, welche die meisten von uns leben, der richtige Weg? Einerseits könnte man argumentieren, dass das meiste wirklich öffentlich zugänglich ist und ein negatives Bild einer Person erzeugen kann, welches Auswirkungen auf andere Teile des Lebens hat. Das ist ein Effekt, den jeder für sich persönlich versucht zu verhindern. Andererseits schafft das posten rein positiver Ereignisse ein verzerrtes Bild einer Persönlichkeit, das eine Erwartungshaltung von Mitmenschen hervorrufen kann. Der Mensch, der immer happy ist – den, gibt nämlich es nicht.

Lebe der Social Media Positivismus nun – oder nicht? Ich denke das muss jeder für sich entscheiden, wenn man denn eine klare Ansicht zu diesem Thema finden kann. Für mich persönlich sind beide Seiten nachvollziehbar, wobei ich ehrlich gesagt mehr dazu neige, dass man diesen Positivismus leben kann. Dazu sei jedoch gesagt, dass ich Social Media in der Hauptsache für ein tolles Marketinginstrument halte.

Der Kurzfilm What’s on your mind? verbildlicht das Thema Social Media Positivismus. Das Video ging, interessanterweise, im Sommer 2014 auf Social Media Plattformen viral.

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  1. […] nicht so ticken wie das zweite Ich. Es wurde möglich ein Abbild seiner selbst zu schaffen, das man im Internet so hinstellt wie man es sich wünscht: Der Super-Sportler, überglückliche Angestellte oder die immer relaxte Mutter. Ob das erste Ich […]

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