Im Netz bin ich ein Held, in der Welt ein ruhiger Kerl

13 Sep
13. September 2015

Hallo Welt! Mit diesen Worten beginnen meist die ersten Schritte, wenn man programmieren lernt. In die digitale Welt eintaucht, den Pixeln Bedeutung gibt und langsam anfängt zu verstehen wie diese ganzen Technologien funktionieren, die wir täglich nutzen. Versteht, wie das Netz funktioniert, das Menschen rund um die Welt verbindet und zusammenbringt. Zusammenbringt, auf eine digitale Art.

Wenn ich heute auf das, was ich so Tag ein Tag aus treibe, blicke, dann kann ich schon behaupten, dass das Netz meine Hood ist. Es ist ein Teil meines Lebens über das ich gefühlt wirklich Kontrolle habe. Wenn ich darüber mit jemandem kommuniziere, dann sitze ich vor meinem Rechner und schreibe oder spreche. An einem Ort, an dem ich mich heimisch fühle, an dem ich über meine Antworten nachdenken kann und nur auf Text und Betonung in meiner Kommunikation beschränkt bin.

Gleichzeitig ist das Netz für mich auch eine Spielwiese auf der ich, würde ich behaupten, einem Großteil meiner Mitmenschen überlegen bin. Ich verstehe Zusammenhänge, Neuerungen über die andere schimpfen begrüße ich freudig, da ich deren Vorzüge begreife, und wenn es mal ein Problem gibt ist die Lösung für mich nur ein paar Klicks entfernt. Selbst wenn ich das Problem noch nie zu vor hatte, ist der nächste Schritt für mich intuitiv klar. Man könnte sagen ich habe mein Netzleben im Griff. Den Teil des Lebens in dem das Alter meist auch eine untergeordnete Rolle spielt. Und der Teil in meinem Leben in dem meine leichte körperliche Einschränkung endgültig irrelevant wird. Solange du tippen und klicken kannst ist es absolut egal, ob du dahin humpelst oder so gut wie alles mit einer Hand machst. Interessiert nicht. Und es ist ein Teil des Lebens, der, wenn man seine Funktionsweise begriffen hat, sehr planbar ist. Null oder eins. Geht oder geht nicht. Kein vielleicht, sondern klare Antworten stehen auf dem metaphorischen Papier.

Ja, manchmal fühlt es sich so an als sei ich im Netz ein kleiner Held. Und in dieser Weise fühlt sich mein Auftreten im Netz inzwischen an: Absolut selbstsicher.

Doch das ist nur ein Bestandteil unserer Welt – wenn auch einer, der unser aller Leben heutzutage im hohen Maße beeinflusst. Wenn ich raus gehe, weg von meinen Bildschirmen, dann tauche ich in eine etwas andere Welt ein. Eine Welt, in der andere Fähigkeiten zählen. Eine Welt in der man nicht sicher ein ja oder nein erhält, sondern auch mal ein vielleicht, wahrscheinlich oder eher nicht. Eine Welt, in der Alter und Lebenserfahrung auf einmal deutlich an Relevanz gewinnen. Und auch eine Welt, in der körperliche Grenzen und örtliche Entfernungen um ein vielfaches mehr spürbar sind.

Das ist die echte Welt, wie sie gerne bezeichnet wird. Ich würde sagen, das ist genauso ein Bestandteil der Welt, wie jeder andere Aspekt unseres Daseins. Es ist jedoch für mich ein Teil in dem ich nicht das Gefühl der Kontrolle verspüre wie in meinen bunten Pixeln, da mir an vielen Stellen mit meinen jungen 20 Jahren die Lebenserfahrung noch fehlt.

Ich glaube da bin ich gerne der ruhige Kerl, der erstmal beobachtet bevor er seinen Mund aufreißt. Das soll nicht heißen, dass ich völlig unsicher wäre. Ich gehe raus, reise und halte inzwischen gerne Vorträge vor Publikum. All das sind Herausforderungen an denen man wächst und mit denen man Erfahrung sammelt. Dennoch sehe ich mich als nicht so völlig selbstsicher wie im Netz. Manche Dinge lassen sich einfach nicht so lösen, wie ich sie lösen würde: Du kannst nach Gefühlen googeln, doch dann hast du sie nur in deinem Kopf. Was dein Herz sagt ist eine ganz andere Frage.

Ja, in dieser Welt würde ich mich als einen ruhigen und manchmal zurückhaltenden Kerl beschreiben, der sich auch das eine oder andere nicht traut. Der aber gewillt ist das zu ändern.

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2 Antworten
  1. Jonas says:

    Hi Jan, mit klugen Gedanken und einer offensichtlich großen Portion Selbstreflexion hast Du reichlich „Rüstzeug“ für die nächsten Schritte in die „andere“ Welt. Jonas

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  2. Revo says:

    Genau wie Jonas schrieb war mein erster Gedanke, oh, sehr selbst-reflektiert der Mann ;). Ein schöner, menschlicher Beitrag für einen Technik Blog.

    Wie der Quantenphysiker, Schüler und Freund von Werner Heisenberg, Hans-Peter-Dürr mal sagte, gilt in der unlebendigen Welt immer entweder oder, in der lebendigen immer sowohl als auch.
    Liebe Grüße

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