Raspberry Pi: Scase Aluminium Gehäuse ausprobiert

17 Okt
17. Oktober 2015

Gehäuse für den Raspberry Pi gibt es inzwischen jede Menge. Neben günstigen und rein funktionalen Cases gibt es zum Beispiel mit dem Pi Borg Plus ein ausgefallenes Holzgehäuse oder aber auch die farbenfrohen Pibow Gehäuse. Der Hersteller Scase stellte mir seine gleichnamigen Gehäuse zum Ausprobieren zur Verfügung, die komplett aus Aluminium in den Farben schwarz und silber erhältlich sind. Das besondere an den Gehäusen ist, dass sie durch, auf den CPU und GPU aufgesetzte und mit dem Gehäuse verbundene, Aluminiumteile eine gute passive Kühlung versprechen. Welchen Eindruck die Gehäuse auf mich hinterlassen haben möchte ich euch in diesem Artikel näher bringen.

Varianten und Preis
Die Scase Aluminium Gehäuse werden in den Farben natur (silber) und schwarz angeboten. Beide unterscheiden sich lediglich in der Farbe und sind sowohl für den Raspberry Pi 2 Model B als auch für Model B+ verwendbar. Ältere Versionen des Raspberry Pis bleiben außen vor. Vertrieben werden die Gehäuse im Online-Shop des Herstellers wie auch direkt von diesem auf Amazon. Ganz billig ist das Versprechen eines hochwertigen Aluminium Gehäuses mit integrierter passiver Kühlung mit rund 60€ definitiv nicht.

Erster Eindruck
Die Gehäuse werden in einer schlichten Karton Verpackung geliefert, die innen gepolstert ist. Darin offenbart sich das Gehäuse, das mit Schrauben, einem Sechskantschlüssel und ein paar Plastikteilen geliefert wird.

Das Gehäuse sieht nicht nur hochwertig aus, sondern ist auch solide verarbeitet. Scharfe Kanten sind nicht vorhanden und selbst mit der vollen Kraft meiner Hände habe ich es nicht geschafft das Gehäuse in irgendeiner Weise zu verwinden. Wie bei Aluminium typisch sieht man auf der Oberfläche die Fingerabdrücke, wobei diese nur wenig auffällig auf dem Gehäuse haften bleiben.

Einzig trübt das in meinen Augen optisch schöne Gehäuse der wirklich große Scase Schriftzug auf der Oberseite des Produktes, der insbesondere mit seiner silbernen Farbe auf dem schwarzen Gehäuse zur Geltung kommt. Ein kleiner Schriftzug auf einer der Seiten oder dem Boden des Gehäuses hätte in meinen Augen auch seinen Zweck erfüllt.

Genauigkeit der Anschlüsse und das SD-Karten Problem
Der Raspberry Pi lässt sich in das Case ganz einfach einsetzen. Darauf kommen drei Plastikabstände und der Boden wird mit den Schrauben durch die Bohrlöcher des Einplatinencomputers hindurch befestigt. Nicht vergessen werden darf, dass die beigelegten grünen Wärmeleitpads auf dem CPU und GPU des Raspberry Pi angebracht werden und dabei beidseitig die Folien entfernt werden müssen, da die Kühlleistung ansonsten gegen Null tendiert. Eine Beschreibung, dass es sich bei dem grünen Stoff um Wärmeleitpads handelt, findet sich jedoch nirgends. Der LAN-Anschluss und die USB-Hubs schauen ordentlich durch die dafür vorgesehenen Ausschnitte hindurch. Auf der Seite, wo der Power-, HDMI- und Jack-Port zum Vorschein kommt sind die Ausschnitte hingegen in allen drei Fällen ein gutes Stück größer als sie sein müssen, was ästhetisch das Gesamtbild des Gehäuses schmälert.

Außerdem fällt funktional auf, dass es keine Aussparung für die microSD-Karte gibt, was zur Folge hat, dass man jedes mal wenn man diese entnehmen möchte, das komplette Gehäuse auseinander schrauben muss. Im produktiven Betrieb wird dies weniger stören als beim Basteln, wo man vielleicht auch mal schnell die Karte samt Image wechseln möchte. Gut gelöst ist hingegen die Anzeige der Status-LEDs, die extra zwei kleine Löcher bekommen haben.

Kühlkörper sehen anders aus
Der springende Punkt des Gehäuses ist jedoch die versprochene passive Kühlung direkt im Gehäuse. Dazu habe ich mit vier Instanzen des folgenden Kommandos die CPU-Last des Raspberry Pis durchgängig auf allen vier Kernen auf 100% gebracht. Die Messungen der Wärme des CPU wurde nach 30 Minuten Last durchgeführt. Es wurden jeweils zehn Messungen durchgeführt und daraus der Mittelwert gebildet. Dies führte ich einmal mit dem Raspberry Pi ohne Gehäuse und einmal mit einem der Scase Gehäuse durch.

Last erzeugen
while :; do time echo "scale=4000; a(1)*4" | bc -l; done

Temperatur Messung
cat /sys/class/thermal/thermal_zone*/temp

Ohne dem Gehäuse lag die Temperatur bei 56,7 °C. Mit dem Gehäuse lag diese bei 39,7 °C. Das bedeutet, dass der Kühlkörper 17 °C oder rund 31% der Wärme im Vergleich zum Betrieb ohne Gehäuse ableiten konnte.

Fazit
Man erhält von Scase ein gut verarbeitetes und stabiles Gehäuse, dass eine ordentliche Kühlleistung vorzuweisen hat. An ein paar Stellen hat es funktional wie optisch zwar ein paar Schwächen, die je nach Nutzung verkraftbar sind. Einzig der Preis mit 60€, der damit etwa das eineinhalb-fache des Raspberry Pis beträgt, ist für ein Gehäuse ganz schön happig.

Die Messergebnisse und das Fazit wurde zur ursprünglichen Fassung des Artikels angepasst, da die Wärmeleitpads meinereits nicht als solches erkannt wurde.

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13 Antworten
  1. Flo says:

    Interessant wäre der Test, wenn du noch mit einem Standardgehäuse mit und ohne Lüftung vergleichst. Es würde mich nicht wundern, wenn es im geschlossenen Gehäuse immer deutlich heißer ist und passive Kühlung auch mit denAufklebkühlkörpern nicht mehr ausrichtet.
    Der Preis ist jedenfalls ein schlechter Scherz. Ich würde für sowas nicht mehr als 15€ bezahlen…

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    • Jan Karres says:

      Ich denke dies wäre für den Gesamtkontext interessant gewesen, jedoch denke ich sollte man im Konkreten von einem Gehäuse mit „integrierterte[r] passive[n] Kühlung“ erwarten können, dass diese in jedem Fall kühlt anstatt wärme aufstaut.

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    • Jan Karres says:

      Der Artikel wurde auf Grund der nicht erkannten Wärmeleitpads angepasst.

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  2. Sebastian says:

    Wundert mich sehr, dass man dir ein Gehäuse schickt was nicht hält was es verspricht? CPU und Kühler waren wirklich gut mit den Wärmeleitpads verbunden?

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  3. FP says:

    Vielen Dank, dass du trotz eines kostenlos bereitgestellten Produkts einen objektiven Test veröffentlichst!

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  4. Scase says:

    Mit großer Aufmerksamkeit haben wir uns den Artikel über das Scase durchgelesen. Verwundert sind wir über Ihre Ergebnisse bzgl. der Kühlwirkung und können diese nicht anhand unseren Ergebnissen und Erfahrungen nachvollziehen.

    Dies gerade auch unter dem Aspekt, dass wir bisher sowohl von unseren Kunden, als auch von namhaften Blog’s nur positive Rückmeldungen zu diesem Thema bekommen haben.

    Um zu klären, warum es bei Ihren Tests zu anderen Ergebnissen wie bei uns und dem Rest der deutschsprachigen Raspberry-Community kam, werden wir uns gleich am Montag mit Ihnen in Verbindung setzen.

    Allen Lesern noch ein schönes restliches Wochenende, wünscht das Team von Scase.

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    • Jan Karres says:

      Die Wärmeleitpads wurden auf Grund einer fehlenden Beschreibung nicht als solche erkannt wodurch sich ein Nulleffekt einstellte. Die Messergebnisse und der Artikel wurde dahingehend angepasst.

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  5. Michael Speck says:

    Hey Jan, vermutlich hast du den gleichen Fehler gemacht wie ich. Ich war zunächst auch enttäuscht über die Kühlleistung bis ich durch Zufall bemerkt habe, dass ich bei der Montage die Abziehfolie der Wärmeleitpads nicht beidseitig abgezogen habe und dadurch die Kühlung gar nicht funktionieren konnte. Habe meinen ( zugegebenermaßen nicht halb so professionellen Test 😉 wiederholt, mit dem Ergebnis, dass die Kühlung abartig gut kühlt. Sollte öfter auf meine Freundin hören und vielleicht doch mal eine Anleitung lesen aber vermutlich werde ich das nie lernen 😉
    Gruß Michael

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  6. Go2 says:

    Da ich selber ein Gehäuse von Scase besitze kann ich deine gemessenen Temperaturen nicht nachvollziehen.
    Gleich am ersten Tag habe ich das Gehäuse einem Kühltest unterzogen und musste feststellen – das Case kühlt vom feinsten! Die Temperaturdifferenz unter Volllast zwischen meinem alten Kunststoffgehäuse und dem Scase liegt bei ca. 17°. Ich finde das ist doch mal ne Hausnummer.
    Da stimmt doch was nicht. Hast du bei beiden Gehäusen die gleichen Ergebnisse erzielt?

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