YouTube sollte ein Dialog, und keine zwei Monologe sein

04 Okt
4. Oktober 2015

YouTube ist schon seit einigen Jahren nicht mehr nur die Webseite mit den lustigen Katzenvideos. Viel mehr entwickelte sich die Videoplattform zu einem Ort an dem Menschen wie du und ich zu Webvideo Produzenten werden und regelmäßig Videos oder ganze Shows veröffentlichen. Damit einher geht auch, dass Zuschauer regelmäßig Videos ihrer abonnierten YouTuber konsumieren und somit Videokünstler zu Personen des öffentlichen Lebens werden.

Das Spannende an Webvideo, im Vergleich zu Fernsehen oder Kino, sind die Möglichkeiten zur Interaktion. Abseits von detaillierten Zahlen über das Nutzungsverhalten des Zuschauers kann dieser mittels eines Likes oder Dislikes zeigen ob ihm das Video gefallen hat und als Kommentar Feedback hinterlassen. Dadurch können Dialoge entstehen, die zu Internetbekanntschaften oder gar zu wahren Freunden führen können. Können, ist jedoch das springende Wort, denn in vielen Fällen findet auf YouTube keinen Dialog, sondern zwei Monologe statt, die direkt untereinander stehen.

YouTuber, wie die Webvideo Produzenten auf der Plattform so schön genannt werden, produzieren ihre Videos und veröffentlichen diese. Doch vor der eigentlichen Aufnahme des Videos steckt ein Gedanke was man eigentlich sagen, zeigen und vermitteln möchte. Selbst Challenge Videos, bei denen repetitiv das Video eines anderen YouTubers mit anderen Personen aufgegriffen wird, haben eine gewisse Botschaft, die an den Zuschauer ausgesendet wird. Schaut der Zuschauer nun das Video an, so bildet er sich über dessen Inhalt eine Meinung.

Das ist die Basis für einen Dialog. Der Empfänger der Botschaft kann deren Meinung in einen Kommentar zum Ausdruck bringen und der Videokünstler darauf wieder eingehen. Schaut man sich bei vielen aktiven YouTube Channels die Kommentare an, so findet man, meist versteckt zwischen vielen Kommentaren deren Zusammenhang zu dem Video nicht ganz nachvollziehbar ist, ernst gemeinte Kommentare mit Meinungen, inhaltlichen Ergänzungen, Vorschlägen, Empfehlungen und teilweise auch Fragen.

Wagt man einen genaueren Blick, so wird man jedoch feststellen, dass selbst bei Meinungen, Feedback und Fragen häufig eine Antwort des YouTubers auch nach Wochen nicht zu finden ist. Andere Zuschauer reagieren zwar des Öfteren auf Kommentare und beginnen untereinander Konversationen, doch nicht mit dem YouTuber.

Ich würde das als zwei Monologe bezeichnen. Der YouTuber stellt seine Botschaft in dem Video dar und der Zuschauer stellt seine Ansicht in den Kommentaren dar. Eine direkte Kommunikation bleibt jedoch aus. Dieses Verhalten vieler YouTuber finde ich schade, denn sein wir mal ehrlich: Wenn du keinen Dialog haben möchtest, warum solltest du dir dann die Mühe machen etwas online zu stellen? Dann ist der Inhalt im dunklen Kämmerchen genau so gut aufgehoben.

Bei YouTubern mit einer großen Reichweite habe ich vollstes Verständnis dafür, dass sie nicht auf jede Interaktion eingehen können. Hat man jedoch die Möglichkeit noch jeden Kommentar zu lesen und darauf einzugehen, wenn es etwas gibt worauf man eingehen kann und möchte, denke ich sollte man diese Möglichkeit als Chance begreifen sich mit Menschen auszutauschen, teils interessante Leute kennenzulernen und nicht zuletzt sich weiter zu entwickeln.

Dieses Verhalten betrifft nicht nur YouTube, sondern genau so Blogs und andere Teile des Internets. Auf Grund der großen Menge an Kommentaren und der sehr persönlichen Weise Inhalte in einem Video zu vermitteln sehe ich diese Problematik insbesondere auf YouTube.

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1 antworten
  1. Michael L says:

    Hi Jan,

    diese Beobachtung kann ich gut nachvollziehen. Allerdings – gehen wir mal von einem hichwertigen, bspw didaktisch wertvollen Video aus – sind die Kommentare meist in einer Qualität zu finden, die einem als Autor (und ich denke das darf man auch auf Blogs anwenden) jedwede Motivation diese durchzulesen und zu beantworten doch ganz ordentlich vermiesen.

    Sollte Youtube ein Dialog sein? Ja, das wäre für viele Autoren sicher wünschenswert. Und letztlich auch für die Zuschauer von erheblicher Bedeutung. Können doch in besonderen Fällen auch nette Bekanntschaften aus solchen Dialogen erwachsen.

    Aber für den Autor ist das – mit zumeist viel Mühe verbundene – Erstellen des Inhalts immer mit dem Risiko verbunden, ein wenig verwertbares Feedback zu erhalten. Rechtfertigt das ein Verstummen? Kommt drauf an. Je mehr sinnlose Kommentare, desto eher gerechtfertigt. Sich durch einige Seiten verbaler Diarrhoe zu quälen, das liegt wohl keinem.

    Leider, und das muß ich immer wieder feststellen, finden sich für mich (zugegeben ich bin nicht mehr ganz jung, mit 43 und seit dem 14 Lebensjahr mit der Nase im Computer…) auf Youtube immer weniger interessante Beiträge.

    Wie sagte ein Bekannter, selber populärer deutschsprachiger Content-Creator, daß er seine YT-Aktivitäten einstelle, weil er das Gefühl habe, die Zielgruppe seien doch eher die 12-14-Jährigen. Diese mögen es mir verzeihen, daß sie hier als schlechtes Beispiel herhalten müssen.

    Letzlich dient YT nicht der Verbreitung sinnvollen Contents und der Zusammenführung von Interessen/Autoren, sondern rein wirtschaftlichen Interessen. Und die sind leider mit einem Berg Müll leichter zu befriedigen (vergleiche dazu die deutsche TV Landschaft, da ist es ebenso). Leider.

    Perlen wie Dein Blog oder Kanäle wie GreatScott! o.ä., sind leider anteilig doch eher die Ausnahme. Wobei mein persönlicher Eindruck ist, daß es bei den Blogs nicht ganz so schlimm ist, wie bei YT.

    Gruß,
    Micha

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