Ich will sie ficken!

23 Apr
23. April 2016

In der Jugend und insbesondere der Pubertät gewinnt ein Jugendlicher nicht nur an persönlicher Reife, sondern wird auch Geschlechtsreif. Die doofen Jungs oder Mädels werden auf einmal interessant, man möchte einem anderen Menschen näher kommen, weiß nur noch nicht wie. Das peinliche Gekichere am Anfang entwickelt sich bei vielen zu Jugendbeziehungen, die nicht selten schnell wieder zerfallen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass die meisten auf Partys gehen um Spaß zu haben. Einerseits Spaß daran mit den Freunden Alkohol zu konsumieren, reden und zu tanzen, aber genauso auch jemanden kennenzulernen um vielleicht ein neues Abenteuer zu erleben.

Aus Sicht eines Kerls über so einige andere Kerle ließe sich die Motivation sich am Abend frisch zu machen, Alkohol zu trinken um lockerer zu werden und loszuziehen auf eine ganz klare Absicht herunterbrechen. Wie genau man die Motivation aus weiblicher Sicht sich hübsch zu machen um z.B. in einen Club zu laufen beschreiben könnte vermag ich nicht zu beurteilen, aber die Motivation dürfte sein in ähnlicher weise Spaß zu haben. Dies lässt sich nicht nur auf Partys beziehen, sondern auch auf Beziehungen, die nur ein Ziel haben: Sex.

Ich bin momentan 21 Jahre alt, hatte noch nie eine partnerschaftliche Beziehung, aber könnte mir eine Beziehung durchaus seit mehreren Jahren vorstellen. Warum es noch nicht geklappt hat? Das wird mehrere Gründe haben: Einerseits bin ich nicht derjenige, der irgendwo hingeht um „sich jemanden zu angeln“, mein Umfeld von Menschen in meinem Alter ist nicht das allergrößte, da ich gerne viel an Projekten arbeite und für mein Alter wohl eher untypische Hobbys habe, durch die man eher Kontakte mit Menschen anderen Alters aufbaut und nicht zuletzt meine körperliche Einschränkung, die den Weg zu einer Beziehung – verständlicherweise – doch noch einmal erschweren sollte. Vor ein paar Jahren noch dachte ich mir, dass ich doch mal jemanden finden sollte, auch um sexuell mal etwas zu erleben. Heute ist meine Haltung eine deutlich andere.

Was bringt es mit jemandem eine Beziehung einzugehen nur um, wie es im Volksmund heißt, Erfahrung zu sammeln? Ich meine, wenn wir es mal nüchtern betrachten geht es bei einer solchen Art von sozialer Interaktion um eine relativ egoistische Handlungsweise: Selbst körperliche Befriedigung zu verspüren, die biologisch dazu eingerichtet wurde die Art zu erhalten. In unserer zivilisierten Gesellschaft glaube ich lässt sich das einkürzen: Ich möchte Spaß haben. Doch wenn es dir nur um deine körperliche Befriedigung geht (insbesondere auf die männliche Zielgruppe bezogen), dann kannst du dir auch einen Porno ansehen und es dir selbst besorgen. Wird vielleicht ein anderes Feeling sein, geht aber genauso. Sag ich jetzt mal ganz plump.

Ja, ich schau Pornos. Wie die meisten jugendlichen und jungen Erwachsenen. Und ich habe, im Gegensatz zu – in meiner Wahrnehmung – vielen anderen, kein Problem mehr darüber offen zu sprechen wenn das Thema aufkommt. Oder genauso hier darüber zu schreiben. Natürlich bildet Pornografie in der Regel nicht die Realität ab, sondern eine Kunstform dieser. Genauso wie es bei anderen Filmen auch der Fall ist. Jedoch sollten die verschiedenen Genres auch sexuelle Vorlieben darstellen, an denen man sehen kann welche Art der körperlichen Befriedigung man persönlich als sexuell attraktiv empfindet. Ich habe mir über die Jahre diverse Genres angesehen. Nicht nur stumpf angesehen, sondern auch den Reiz hinterfragt. Ein gutes Beispiel für ein vorurteilsbehaftetes Genre ist Bondage als Teil von BDSM, die Praktiken zur Fesselung und Einschränkung der Bewegungsfreiheit ausübt und als Ziel eine sexuell konzentriertere Stimulation hat. Als der Film Fifty Shades of Grey in die Kinos kam, welcher solche Praktiken in filmtypisch überspitzter Form (und speziellen Ausprägung dieser Sexualpraktik) zeigte, wurde dieser hitzig diskutiert. Zunächst möchte man sich Fragen was das bitte für eine Praktik sein soll und was das noch mit Spaß zu tun hat? Im Laufe der Zeit versteht man jedoch den Reiz an solchen Praktiken und in diesem Fall, dass der Reiz nicht nur in der stumpfen Befriedigung liegt, sondern auch, wenn nicht insbesondere, an dem Vertrauen und der Fürsorge, die von den Partnern füreinander aufgebracht wird.

Vertrauen und Fürsorge sind, abseits von solchen Praktiken, die nicht jedem gefallen müssen, zwei Dinge, die für mich bei einer Beziehung um Welten wichtiger sind als irgendein körperlicher Aspekt. Das Gefühl jemanden gefunden zu haben, dem man in einer weise vertrauen kann, dass man über alles reden kann ohne die Reaktion des anderen zögerlich zu erwarten. Eine gegenseitige Fürsorge, bei der man sich sicher sein kann, dass man füreinander da ist, sich sprichwörtlich auch mal fallen lassen kann und dabei genau zu wissen aufgefangen zu werden. Und nicht zuletzt das Gefühl jeden Abend in der Geborgenheit der Arme des anderen einschlafen zu wollen – selbst wenn das mal nicht geht. Ist das nicht ein Gefühl, das viel erstrebenswerter als irgendein Höhepunkt ist? Ist das nicht das, was eine Beziehung, eine partnerschaftliche Liebe, viel eher ausmacht? Und ist das nicht eine Art von Glück nach der letztlich jeder von uns tief in seinem inneren strebt, selbst wenn man es manchmal nicht zeigt?

Ich meine schon. Doch dieses Gefühl ist etwas bei dem ich mir mittlerweile sicher bin, dass man es nicht suchen muss, nicht in Clubs gehen und nicht feiern muss, sondern eine Person ist die oder den man findet wenn man sich nur lange genug Zeit lässt. Zeit lässt, um jemanden zu finden bei dem das Gefühl genau so ist, dass sich beide auf diese weise wohl fühlen – auch wenn das vielleicht einige Anläufe braucht.

Ich will sie nicht ficken! Ich will sie lieben.

tl;dr

Entschuldigt bitte den Clickbait Titel und das Bild. Ich weiß, das war provokant. Viele junge Erwachsene halten meinem Gefühl nach Sex für etwas wirklich Erstrebenswertes. Es macht sicherlich Spaß, da es unter anderem zu körperlicher Befriedigung führt. Aber ist das Gefühl jemand gefunden zu haben dem man wirklich vertraut, dessen gegenseitige Sympathie und Zuneigung größer als bei den meisten anderen Menschen ist und in dessen Armen man am liebsten jeden Abend einschlafen möchte nicht ein viel schöneres?

Dir hat der Artikel gefallen?
Teile ihn mit deinen Freunden!
4 Antworten
  1. DanFu says:

    Ich frage mich gerade was du mit diesem Beitrag erreichen willst und vor allem wen du erreichen willst

    Antworten
    • Jan Karres says:

      Der Artikel hat kein bestimmtes Ziel. Es gibt Themen und Ansichten, die schwirren in meinem Kopf herum, und mein Blog ist der Ort, wo ich einige dieser niederschreibe. Ob diese jemand lesen möchte, mit mir darüber diskutieren möchte, oder nicht, ist mir bei solchen Themen im aller Regel egal. Ich schreibe solche Artikel, da ich es mag Gedanken niederzuschreiben und vielleicht in ein paar Jahren mal wieder drauf zu blicken. Vielleicht haben bis dahin meine Ansichten eine 180° Wendung hingelegt, vielleicht ist es eine Erinnerung an mein zukünftiges Ich und das was mich in dem zukünftigen Teil meines Lebens beschäftigt, vielleicht hat dieser Artikel bis dahin für mich nur noch wenig Bedeutung. Wenn ich auf Artikel meiner Gedanken, Ansichten und Empfindungen von vor drei bis vier Jahren zurückblicke, dann war es gut, das so niederzuschreiben. Ob das in diesem Fall auch so ist, das wird die Zeit zeigen.

      Antworten
    • Jan Karres says:

      Ergänzung: Wenn deine Frage jedoch auf Titel und Bild abziehlen sollte. Ich habe gemerkt, dass Clickbait und dessen Reaktionen teils interessante Diskussionen hervorrufen, weshalb ich momentan gelegentlich mit diesem Mittel spiele.

      Antworten
  2. Byteswepper says:

    Wow! Ich finde es echt super, dass du nicht den Tabus dieser Gesellschaft folgst und so offen mit dem Thema umgehst. Das ist wirklich bewundernswert. Außerdem finde ich es eine sehr interessante Sichtweise, die du hier beschreibst.
    Da lohnt es sich durchaus, einen Gedanken darüber zu verschwenden 😉

    Antworten

Antworten

Kommentar verfassen

JanKarres.de © 2007-2017