Kommunikation wird immer asynchroner

09 Mrz
9. März 2014

Kommunikation ist stets im Wandel. Sie verändert sich ständig, sei es die Sprache oder auch die Form, in der sie übertragen wird. Wie sich Sprache in einigen Jahrzehnten wandeln könnte, zeigte Sebstian23 bereits in einem recht amüsanten Video. Doch auf das Hier und Jetzt bezogen hat sich die Kommunikation durch den Einzug digitaler Medien, allem voran dem ständigen Begleiter Smartphone, in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Ich würde gar davon sprechen, dass unsere Kommunikation sehr asynchron wurde.

Fangen wir einmal in den 90er Jahren an. Für die breite Masse gab es zur Kommunikation den persönlichen oder über Dritte gesprochenen persönlichen Kontakt, den Brief und wenn es schnell gehen sollte das Telefon. Letzteres kostete jedoch pro Nutzungseinheit Geld, weshalb man sich natürlich in dessen Nutzung beschränkte. Doch mit der Verbreitung des PCs in den 90er Jahren fand auch in vielen privaten Haushalten um die Jahrtausendwende das Internet Einzug. Aus eigener Erfahrung kann ich nicht sprechen, jedoch denke ich, dass die Möglichkeit eine E-Mail, einen digitalen Brief, zu versenden, der innerhalb von Sekunden bei dem Empfänger ankam, damals einer der Hauptnutzen des Internets für den Otto-Normalnutzer war. Mit der Einführung von Prepaid Karten 1997 wurde zur etwa selben Zeit eine weitere, aber zu dieser Zeit kostspielige Art, zu kommunizieren geschaffen: Das Handy. Unabhängig von der eigenen Wohnung oder einer Telefonzelle konnte man telefonieren. Dadurch bedingt, dass man nicht immer überall erreichbar war, fanden auch die Mobilboxen Einzug in den Alltag.

Wir haben nun also neben dem Brief auch die E-Mail und Mobilbox, die es ermöglicht, eine Nachricht zu hinterlassen und damit dem Gesprächspartner die Möglichkeit gibt, sie dann zu beantworten, wenn er Zeit dafür hat. Zugegebenerweise: In dem Stadium um die Jahrtausendwende, und auch noch heute, sind diese Arten der asynchronen Kommunikation sehr träge.

Im Laufe der Zeit etablierten sich Instant Messenger. Allen voran denke ich, sollte man ICQ nennen, welches sich mit dem Kauf durch AOL 1998 nach der Jahrtausendwende quasi zum Standard etablierte. Dass dem heute nicht mehr so ist, liegt denke ich an mehrerlei Gründen. Einen davon haben die meisten von uns jedoch wahrscheinlich jeden Tag in der Hosentasche: Das Smartphone.

Mit der rasanten Verbreitung von Smartphones und dem Ausbau der Mobilfunknetze für mobiles Internet in den vergangenen Jahren wurde der Markt umgewälzt, denn damit hat inzwischen gefühlt fast jeder ein Gerät bei sich, das immer erreichbar ist. Mit immer erreichbar ist aber keineswegs gemeint, dass dadurch die Leute mehr miteinander sprechen – ich denke dies ging in den vergangenen Jahren sogar zurück. Es etablierten sich viel mehr Instant Messenger Systeme wie Facebook (ein Teil des Netzwerkes) oder auch dem inzwischen quasi Standard WhatsApp. Kleine Programme, mit denen sich Nachrichten austauschen lassen, die sehr schnell gelesen werden, da man sie am ständigen Begleiter Smartphone erhält und auch aus einem sozialen Druck heraus (zuletzt online und gesehen Funktionen) zu beantworten hat.

Damit einher geht aber auch eine Asynchronität der Kommunikation. Man sitzt dem Anderen nicht gegenüber oder hat seine Stimme im Ohr und erwartet eine sofortige Antwort. Man schreibt viel mehr etwas und erwartet, dass das Gegenüber zwar baldmöglichst antwortet, aber eben nicht sofort. Daraus resultiert für mich, dass die Komponente der Spontanität sehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Man antwortet nicht direkt aus dem Bauch heraus, sondern kann nachdenken, schreiben, reflektieren, überarbeiten und erst dann absenden. Im Gegenzug dafür, dass spontane Aussagen verloren gehen, kann man davon ausgehen, dass die getätigten Aussagen besser durchdacht sind. Nüchterner sind. Versachlicht sind.

Was möchte ich damit nun aussagen? Trotzdem ich die immer asynchroner werdende Kommunikation häufig schätze, da man dadurch mehr über die eigene Aussage nachdenken kann (was häufig nützlich ist) und antworten kann, wenn Zeit dafür ist, so finde ich diese Tatsache zugleich schade, da dadurch ein wesentlicher Faktor in den Hintergrund gerät: Gefühle. Oder hast du, wenn du mit einem Mädel bzw. Kerl, das/den du ganz nice findest, schreibst, dich nicht auch schon häufig dabei ertappt, die bereits geschriebene Nachricht wieder zu löschen, anstatt sie abzusenden… 😉

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