Raspberry Pi: Vergleich Owncloud vs Seafile

10 Jan
10. Januar 2015

Viele Nutzer des Raspberry Pis kommen auf die Idee diesen als „Cloud für Zuhause“ in Form einer Datensynchronisation zu nutzen. Dabei stößt man in der Regel auf Owncloud und Seafile als Softwarelösungen. Natürlich gibt es noch weitere wie BitTorrent Sync oder Syncthing/Pulse, wobei die beiden Lösungen um die es in diesem Artikel geht die momentan gängigsten sein sollten. Die Frage welche der beiden Lösungen die bessere ist lässt sich nicht pauschal beantworten. Im Folgenden möchte ich daher aufzeigen, auch bezogen auf den mäßig Leistungsstarken Raspberry Pi, welche Lösung sich für welche Art von Anwender empfehlen lässt und wie man mögliche Schwächen kompensieren kann.

Owncloud: Funktional eine eierlegende Wollmilchsau
Die Software Owncloud ist nach mehreren Jahren Entwicklung in deren Funktionsumfang enorm groß geworden. Das verbunden mit einem hübschen Webinterface und gut entwickelten Clients scheint sie zur eierlegenden Wollmilchsau zu machen. Jedoch wirken viele der Funktionen nicht komplett ausgereift, weshalb man gelegentlich auf Fehler und Bugs stößt. Außerdem ist auf Grund der verwendeten Technologie der Owncloud Server auf dem Raspberry Pi nur mäßig in der Performance.

Leistungsumfang

  • Synchronisation von Dateien
  • Teilen von Dateien mit Freunden über das Webinterface
  • Dateiversionierung um Änderungen zurückzunehmen
  • Kalender und Kontakte via CalDav und CardDav synchronisieren
  • Exzellente Weboberfläche in der Dateien, Musik und Video verwaltet werden können, aber auch Dokumente gemeinsam von mehreren bearbeitet, Kalender betrachtet und erweitert wie auch Kontakte angezeigt und gepflegt werden können
  • Desktop-Clients zur Synchronisation für Windows, Mac OS X und Linux
  • Mobile-Clients für Android und iOS mit ausgebautem Funktionsumfang
  • Verknüpfung mit Dropbox, SWIFT, FTPs, Google Docs, S3, extreme WebDAV usw. möglich
  • Software durch Plugins einfach erweiterbar
  • Dank Entwicklung in PHP auf fast jedem Webspace installierbar

Vorteile

  • Leicht zu installieren
  • Webinterface mit großem Funktionsumfang
  • Ordentlich entwickelte Apps für mobile Nutzung
  • Synchronisation von Kalender und Kontakten inklusive
  • Durch (selbst entwickelte) Plugins leicht erweiterbar
  • Verwendet Ports, die in Firmenfirewalls meist erlaubt sind

Nachteile

  • Dateien Verschlüsselung nur auf Serverseite möglich
  • In PHP entwickelt, weshalb die Performance auf dem Raspberry Pi mäßig ist
  • Synchronisation meist problemlos, gelegentlich bei vielen oder großen Dateien jedoch fehlerbehaftet
  • Einrichtung von Kalendern und Kontakten auf Clients wenig intuitiv
  • Einige Funktionen haben kleine Bugs, die jedoch von Version zu Version gefixt werden
  • Gelegentlich Veröffentlichung von fehlerhaften Updates

Seafile: Fokus auf Dateien
Die Lösung, die auf den Namen Seafile hört, bietet fast nur eine Dateien Synchronisation. Dafür scheint diese technisch durchdacht entwickelt und funktioniert zuverlässig. Die Apps für mobile Endgeräte als auch das Webinterface sind eher rustikal aufgebaut, wenn auch (inzwischen) gut benutzbar. Dank der Entwicklung der Software in C und Python läuft sie wesentlich performanter als Owncloud, was dem leistungsschwachen Raspberry Pi entgegenkommt.

Leistungsumfang

  • Synchronisation von Dateien
  • Clientseitige AES 256/CBC Verschlüsslung der Dateien möglich
  • Dateiversionierung um Änderungen zurückzunehmen
  • Teilen von Dateien mit Freunden über das Webinterface (auch in Gruppen organisierbar)
  • Weboberfläche in der Dateien verwaltet werden können
  • (Mini-)Messenger und Wiki im Webinterface verfügbar
  • Desktop-Clients zur Synchronisation für Windows, Mac OS X und Linux
  • Mobile-Clients Android und iOS, die Dateien aufrufen und hochladen lassen

Vorteile

  • Software läuft stabil
  • Höhere Sicherheit durch clientseitige Verschlüsselung
  • Synchronisation läuft in der Regel problemlos, auch bei großen und vielen Dateien
  • In C und Python entwickelt, wodurch es ressourcensparend ist und performant auf dem Raspberry Pi läuft
  • Einfache und problemlose Handhabung bei Updates

Nachteile

  • Keine Synchronisation von Kalender und Kontakten
  • Standardkonfiguration verwendet spezielle Ports, die durch manche Firmenfirewalls geblockt werden
  • Erweiterung durch (selbst entwickelte) Plugins nicht (leicht) möglich

Fazit
Der große Funktionsumfang von Owncloud und die gute Oberfläche mögen attraktiv wirken. Jedoch bietet dies auch seine benannten Nachteile. Man könnte sagen: „[Owncloud] will alles können, kann aber nichts richtig“. Dem entgegen steht Seafile, dass einen geringeren Funktionsumfang mit sich bringt, dafür das was es kann, richtig gut erledigt.

Folglich sollte man überlegen was die persönlichen Bedürfnisse sind. Wenn man eigentlich nur eine ordentliche Dateien Synchronisation benötigt, sollte man, insbesondere auf dem Raspberry Pi, meiner Meinung nach auf Seafile zurückgreifen.

Anleitungen zu Owncloud und Seafile aus meinem Blog

Alternativen für Kontakte und Kalender
Entscheidet man sich auf Grund der benannten Vorteile für Seafile, benötigt jedoch auch noch eine Softwarelösung zur Synchronisierung von Kontakten und dem Kalender, so kann man hierfür auf Baïkal oder Radicale zurückgreifen. Beide Lösungen bieten jedoch keine ordentliche Oberfläche zur Verwaltung der eingetragenen Daten, sodass man auf die verwendeten Clients angewiesen ist.

Dir hat der Artikel gefallen?
Teile ihn mit deinen Freunden!
16 Antworten
  1. Markus says:

    freu mich auf das Tutorial für Radical. Habs selbst nicht ans laufen bekommen und hatte mir das ja schonmal gewünscht von dir.
    Benutze auch owncloud auf nen cubietruck
    seafile reicht wegen Kontakte und kalender nicht aus und Baikal konnte man nur ein admin Konto haben was ich nicht so glücklich fand.
    Ist in owncloud finde ich besser gelöst mit Kalenderzugriff …

    Antworten
  2. Christoph Dyllick-Brenzinger says:

    Hallo Jan,

    danke für die coolen Artikel zum Raspberry Pi. Ich habe schon ganz häufig gelesen, dass seafile schneller und performanter als owncloud ist. Leider nie mit konkreten Zahlen. Deshalb habe ich selber mal den Test gemacht. Hier der Link dazu:

    https://www.ionas-server.com/blog/owncloud-vs-seafile-performance/

    Viele Grüße
    Christoph Dyllick-Brenzinger

    Antworten
  3. Philipp says:

    Ich bin im Moment auch am Überlegen, wie ich am besten eine Cloud hinbekomme.
    Ich tendiere im Moment zu OpenMediaVault mit einem Owncload plugin. Allerdings kann ich als noch ziemlicher Leihe nicht abschätzen, ob das nicht vielleicht den Pi völlig überfordert…

    Vielleicht kannst Du da ja helfen…

    Antworten
    • Laurin L. says:

      Hallo Phillip, ich persönlich habe mit einem Pi als Owncloud-Lösung angefangen, habe aber sehr schnell gemerkt, dass das ganze nett aussieht, aber nicht zur produktiven Nutzung taugt.
      Das Webinterface zu laden dauert ewig und von der Up- und Download-Performance will ich erst gar nicht sprechen. Wenn du lediglich Kalenderdaten, Kontakte und kleine Dateimengen verwalten willst kann man damit leben. Wenn du jedoch große Dateimengen verwalten willst (Bilder anschauen / Dateien mit dritten teilen), brauchst du bessere Hardware, sonst kommt da sehr schnell Frust auf. Mit Seafile habe ich noch keine Erfahrungen.

      Mein Setup besteht im Moment aus einem
      Cubitruck (ist von den Hardwareanschlüssen besser als Server geeignet, da Gigabit Lan, SATA Port etc. ca. 80€) , Owncloud 7.0.4 und einer 1TB Platte. Diese Konstellation läuft sauber und flüssig und hat bei 7 Nutzern noch keine Performance Probleme bereitet.

      Antworten
    • Jan Karres says:

      Entweder wie Laurin beschrieben hat mit einer leistungsstärkeren Hardware oder einfach mal Seafile probieren. Ich persönlich finde deren Lösung echt klasse!

      Antworten
      • Philipp says:

        Seafile habe ich ausprobiert und war (mit SSL-Verschlüsselung) von der Performance her weniger begeistert. Ich werde mir vielleicht mal demnächst einen BananaPi holen und dort Seafile versuchen. Vielleicht ist das besser. Immerhin hat der BananaPi soweit ich weiß Gigabit-Lan.

        Mit dem jetztigen Seafile (ohne SSL) geht es ganz gut aber die Performance ist auch nicht der Hammer…

        Danke auf jeden Fall für Eure Tipps!

        Ist es möglich, Seafile so zu konfigurieren, dass es mit Zwei Festplatten läuft?
        Oder dass es eine als Sicherungskopie benutzt?

        Meint Ihr, mein Plan mit OpenMediaVault könnte mit einem BananaPi hinhauen?

        @Jan: Ich würde mich riesig über ein Tutorial des Raspberry Pi als Druckerserver freuen. Ich habe mir nämlich einen alten Drucker gekauft, der nur USB hat und es wäre natürlich super, wenn ich drahtlos drucken könnte. Im Moment muss ich meinen Laptop immer ins Dock stecken um zu drucken…

        Beste Grüße
        Philipp

        Antworten
  4. Marcel Frischke says:

    Mein aktuelles Projekt:
    RaspPi 2 mit OwnCloud.
    Der neue Pi dürfte um einiges schneller sein mit einem OwnCloud Server.
    Auch steht OwnCloud 8 bereits in den Startlöchern, da sollen einige Dinge geändert worden sein, u.a. soll es mit weniger Rechenleistung auskommen.

    Mit Seafile kann ich mich einfach nicht anfreunden, habe es die letzten Wochen ausgiebig getestet.

    Mal schauen was zuerst da ist, mein RaspPi 2 oder OC8 😉
    Ich halte euch auf den Laufenden

    Antworten
    • Philipp says:

      Wiso nimmst Du dafür nicht einen BananaPi?
      Was mich beim RasPi2 stört ist, dass er kein Gigabit Lan und vor allem keinen Sata-Anschluss hat.

      Antworten
      • Marcel Frischke says:

        Der BananaPi ist für den Zweck eigentlich gut geeignet, leider hat er ein paar Probleme mit der Spannungsversorgung.
        Ich habe Pi und Festplatte in einem Rechenzentrum in der Schweiz stehen.
        Der BananaPi funktioniert an den USB-Port (5 Ampere) einfach nicht!
        Sobald die Festplatte gemountet wird ist der Pi einfach tot, auch wenn die Festplatte an einem separaten USB-Port hängt.
        Mit einem normalen Netzteil lässt sich das Problem lösen, dass ist aber im Rechenzentrum keine Lösung.
        Der RaspberryPi funktioniert da ohne Probleme!

        Antworten
    • Marcel Frischke says:

      So der RasPi2 ist angekommen und OwnCloud 8 wurde gleich getestet.
      Und ich muss sagen, ich bin begeistert!
      Die Konfiguration:
      – OwnCloud 8
      – nginx
      – MySQL
      – externe 1TB Festlatte
      läuft absolut flüssig, kein Vergleich zu den vorherigen Pis.
      Spüre bis auf die Übertragungsraten keinen Unterschied zum BananaPi 🙂

      Antworten
      • MochileroThomas says:

        Vielen Dank für das Update. Ich hab heute mein Raspberry Pi 2 bekommen und war am überlegen, ob ich nun Owncloud oder Seafile installieren soll. Werde es jetzt auch erst mal mit Owncloud 8 versuchen.

        Antworten
        • Patrick says:

          Hättet ihr Speeddaten zu Owncloud8 oder Seafile5 auf dem RPI2 oder RPI3? Könnt ihr sagen ob ihr mit der Performance nach einem Langzeitttest noch immer zufrieden seid?

          Antworten
  5. Jürgen says:

    Ich habe sowohl Owncloud, als auch Seafile im (Produktiv-)Einsatz. Owncloud läuft auf einem Raspi2 sehr gut und ohne Probleme. Vorteil ist die einfachere Bedienung und dass Kalender und Kontakte verfügbar sind. Seafile läuft auf einem Raspi B+ und ist dort sehr performant. Die Einrichtung ist etwas komplizierter und es ist auch schwieriger Usern, die wenig Computererfahrung haben, die Einrichtung des Clients zu erklären. Gut gefällt mir, dass man beliebig viele Bibliotheken (= Ordner) freigeben kann. In Verbindung mit Gruppen ist das sehr flexibel.

    Antworten
  6. Frederik says:

    Hallo Jan,

    ich hab‘ einen RasPi B+ mit Raspbian + Apache + Baikal am Laufen. Verträgt sich das mit Seafile und nginx? Wären das dann nicht ZWEI Server?

    Gruß
    Frederik

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] für Dateien. Jan Karres hat in seinem Blog einen schönen Artikel über den Vergleich ownCloud vs Seafile geschrieben, welcher die Eigenschaften sowie die Vor- und Nachteile beider Projekte […]

Antworten

Kommentar verfassen

JanKarres.de © 2007-2017