Raspberry Pi: Touchscreen Display ausprobiert

17 Sep
17. September 2015

Die Raspberry Pi Foundation stellte mit dem Raspberry Pi Touchscreen Display im September 2015 ein offizielles Display für den Raspberry Pi Einplatinencomputer vor, wie ich berichtete. Das Gerät sieht von den Spezifikationen erst einmal mäßig aus und stellt sich auch in der Praxis als zweischneidiges Schwert heraus. Ich bekam von pi3g freundlicherweise ein Touchscreen Display (pi3g) zur Verfügung gestellt, den ich zum Ausprobieren in diesem Artikel verwenden konnte.

Spezifikationen

Der Vollständigkeit halber sind in folgender Tabelle alle relevanten Spezifikationen des Touchscreen Displays nochmals aufgelistet. Außerdem ist anzumerken, dass die ersten ausgelieferten Displays, wozu auch mein Exemplar zählt, teils selbst montiert werden müssen. In späteren Chargen sollen die Displays vollständig montiert geliefert werden.

Größe 7 Zoll / 155 x 86 mm (mit Rand 194 x 110 mm)
Display Art Kapazitiver Touchscreen, 10 Multi-Touch Punkte
Auflösung 800×480 Pixel
Bildwiederholfrequenz 60 FPS
Anschluss DSI-Port
Stromversorgung Separate Stromversorgung, USB link oder GPIO jumpers
Gewicht 277 Gramm
Preis 60 USD

Lieferumfang und Aufbau des Displays

Das Raspberry Pi Touchscreen Display wird in einer Verpackung geliefert, die ähnlich der des Raspberry Pi 2 Model B gestaltet ist. Innen ist, mit Verpackungsmaterial gepolstert, das eigentliche Display, das Display Board, ein Flachbandkabel für den DSI-Anschluss, drei Jumper wires für die Stromversorgung des Displays, Schrauben wie auch ein Sicherheitshinweis.

Beim Zusammenbauen des ersten Touchscreen Displays müssen zwei Kontakte vom Display zum Display Board eingesteckt werden und dieses mit den Schrauben auf der metallenen Rückseite des Displays angebracht werden. Außerdem ist gedacht darauf den Raspberry Pi anzubringen und diesen per DSI-Flachbandkabel zu verbinden. Zuletzt muss mittels einer der drei Varianten das Display zur Versorgung mit Strom mit einem Netzteil oder dem Raspberry Pi verbunden werden.

Der Aufbau dauerte in meinem Fall rund zehn Minuten. Denkt man sich, dass diese Schritte künftig wegfallen sollten, erhält man ein recht fertiges Produkt. Meiner Meinung nach sollte der Aufbau jedoch für niemanden ein Problem darstellen und hat einen gewissen Bastler Charakter, der den Raspberry Pi ausmacht.

Inbetriebnahme durch Software Update

Nach dem Montieren des Raspberry Pis startete ich diesen und wollte loslegen. Auf der microSD-Karte war das Raspbian Image 2015-05-05 installiert. Jedoch musste ich feststellen, dass mit diesem zwar die Ausgabe auf dem Display funktioniert, jedoch nicht die Touch-Funktionalität. Dazu musste ich die Software des Betriebssystems zunächst aktualisieren, um die neuen Treiber zu erhalten und anschließend den Raspberry Pi neustarten.

sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade
sudo reboot

Display Verarbeitung und Problem Auflösung des Touchscreens

Das Display gibt das Bild nicht nur aus, sondern man kann mit 10 Multi-Touch Punkten direkt auf diesem Eingaben tätigen. Die Touch Punkte reagieren relativ genau. Jedoch konnte ich unter Raspbian bislang keine Multi-Touch Gesten finden. Ohne diese sind mehr als ein Touch Punkt jedoch momentan nicht nutzbar, da der Nutzer nur einen Cursor hat. Eventuell sind mehrere Touch Punkte in Spielen nutzbar, aber im Betriebssystem beschränkt sich die Unterstützung des Touchscreen Displays momentan auf ein Minimum.

Die Farben des Displays wirken auf mich genauso wie die Ausleuchtung ausgewogen. Die Helligkeit des Bildschirms mit dessen spiegelnder Oberfläche hat bei Sonneneinstrahlung jedoch schnell seine Grenzen gefunden. In einem beleuchteten Raum ist die Helligkeit meinem Empfinden nach jedoch völlig ausreichend. Auch die Blickwinkel des Displays überzeugen mit einer Einsicht von ca. 150 Grad.

Die Auflösung von 800×480 Pixel ist in heutigen Zeiten, in denen Smartphones, die kleine Monitor Flächen haben, in der Regel mit einer Auflösung von mindesten 720p (1280×720 Pixel) daher kommen, mager. Das macht sich auch in der Praxis bemerkbar. Bei einem Abstand zum Bildschirm wie man ein Tablet nutzen würde sind gerade Flächen wie das Menü ausreichend klar dargestellt, jedoch sind Objekte mit Rundungen wie das Raspberry Pi Logo offensichtlich pixelig. In einer Nahansicht, wie im Foto zu sehen, fällt dieser Effekt natürlich um so mehr auf. Jedoch wurde der Kompromiss dieser geringen Auflösung eingegangen, da das Display langfristig produziert werden soll und somit auf Industrial Display zurückgegriffen werden musste, da kein anderer Partner mit garantierten Produktionszeiten gefunden werden konnte.

Bauhöhe der Gesamtkonstruktion

Ein weiterer Punkt, den man bei dem Raspberry Pi Touchscreen Display im Blick haben sollte ist die Bauhöhe. Wenn man, wie vorgesehen, auf das Display das Display Board und darauf den Raspberry Pi schraubt, hat man eine Bauhöhe von ganzen 3,4 cm. Von den Bohrlöchern und der Anordnung der Ports her wäre es möglich den Raspberry Pi auf dem Kopf anzubringen. Dabei würden lediglich die GPIO-Pins verdeckt werden und man würde ein Flachbandkabel mit umgedrehten Kontakten benötigen. Die Bauhöhe würde dann moderatere 2,6 cm betragen.

In der Praxis schlägt sich dies bei den Gehäusen nieder. Ich hatte bereits die Möglichkeit Gehäuse für das Display zu sehen, die in Kürze auf den Markt kommen werden und diese sahen, entschuldigt bitte diese Ausdrucksweise, grauenvoll fett aus. Man fühlte sich zurück versetzt in Zeiten als die ersten Flachbildschirme auf den Markt kamen, die damals auch noch eine Bauhöhe hatten, die sich viele von uns heute kaum mehr vorstellen werden können.

Wege das Display mit Strom zu versorgen

Das Display benötigt eine separate Stromversorgung, da dieses nicht über den DSP-Port bereitgestellt werden kann. Dazu gibt es gleich drei Möglichkeiten das Gerät mit Strom zu versorgen.

  • Separate Stromversorgung: Mit eigenem Netzteil (nicht im Lieferumfang enthalten) über das Board des Displays
  • USB link: Das Netzteil wird am Board des Displays angeschlossen und die Stromversorgung mittels eines USB-zu-microUSB Kabels an den microUSB-Port des Raspberry Pis weitergegeben
  • GPIO jumpers: Verbindung eines 5V und eines GND Ports des Raspberry Pis mit dem Board des Displays

Außerdem versuchte ich, da dies bei einem verkehrt herum montierten Raspberry Pi und einem Gehäuse bei dem die Ports zugänglich sein sollen praktischer wäre, ob der USB link sich auch umkehren lässt. Das Netzteil also am Raspberry Pi selbst anzuschließen und den Display mit einen USB zu microUSB Kabel über einen USB-Port des Raspberry Pis zu versorgen. Jedoch musste ich leider feststellen, dass die Stromversorgung über diesen Weg nicht ausreichend zu sein scheint, sodass das Touchscreen Display kein Bild ausgab.

Im Allgemeinen fand ich jedoch die Stromversorgung mit dem USB zu microUSB Kabel am einfachsten. Ein solches Kabel sollten außerdem schon jeder Nutzer eines Android Smartphones zuhause haben, da man mit diesem häufig die Smartphones lädt.

Einsatzmöglichkeiten

Wozu ließe sich ein solches Touchscreen Display nun praktisch einsetzen? Zum einen an Point of Sale Orten wie Kioske oder als ein interaktives Dashboard für Daten, die dauerhaft auf einem eigenen Monitor angezeigt werden sollen. Außerdem wäre denkbar das Gerät mit dem Kamera Modul zu kombinieren und das aufgenommene Bild live auf dem Monitor auszugeben. Genauso könnte man das Display aber auch als digitalen Bilderrahmen, den man sehr individuell programmieren kann, verwenden. Der Kreativität sind, da das Display über den Raspberry Pi mit Strom versorgt werden kann (USB link oder GPIO jumpers) und nur eine Leistungsaufnahme von 2,25 Watt hat, in diesem Bezug kaum Grenzen gesetzt.

Fazit: Positive wie negative Aspekte

Das Raspberry Pi Touchscreen Display macht für mich in der Summe weder einen überzeugenden positiven noch einen absolut negativen Eindruck.

Positiv sei anzumerken, dass 60 USD ein fairer Preis für das Gerät zu sein scheint und Farben, Kontraste wie auch Blickwinkel des Displays einen überzeugenden Eindruck abliefern. Auch die Verarbeitung wirkt solide. Außerdem wurde die Stromversorgung ohne zwingend zweites Netzteil praktisch gelöst. Auf der anderen Seite stößt man jedoch mit einer Auflösung von nur 800×480 Pixeln und einer Bauhöhe von 3,4 cm in seiner eigentlich angedachten Form auf ein Gerät, das nicht ganz zeitgemäß scheint.

Letztendlich denke ich kommt es auf den Verwendungszweck an ob das Display den Ansprüchen des Anwendungsfalls genügt. Ein Must-Have Produkt der Raspberry Pi Familie sehe ich in dem Touchscreen Display jedoch nicht.

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10 Antworten
  1. Franky says:

    Hallo Jan. Dank Dir für deinen tollen Bericht!

    Wäre es möglich das Touch Display als Steuerung und Visualisierung für Kodi unter Openelec zu verwenden, um damit eine externe Tastatur einzusparen und um nicht immer den Fernsehen einschalten zu müssen um Musik auszuwählen?

    Antworten
  2. Jens says:

    Hi, bei mir bleibt das Display einfach nur schwarz hast du eine idee

    Antworten
  3. Kai says:

    Hallo und Danke für den ausführlichen Testbericht.

    Du weisst nicht zufällig schon, ob man das Display softwaremäßig (idealerweise per Shell-Skript) aus-/einschalten bzw. in der Helligkeit regeln kann?

    Danke, Gruß und „Weiter so!“
    Kai

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  4. Klaus says:

    Hallo Jan, Deine Raspi Anleitungen haben mir sehr geholfen – Danke dafür.

    Meine Anwendung ist: Internet Fernsehen.
    Die Bilder laufen ruckelfrei aber der Ton setzt alle 3 Sekunden aus.
    Hast Du eine Idee?

    Gruß Klaus

    Hardware:
    – Raspi2B
    – 7″ Touch Display
    – 5V/2A Netzteil am Display (Raspi wird über GPIO Jumper versorgt)
    – X-mini Lautsprecher am 3.5 mm Audio/Video-Stecker
    – Lan Kabel (zur Fritzbox7390 am 25MBit – Glasfaser Internet)

    Software:
    – OSMC (vom 09/2015) mit PVR IPTV Simple Client
    – mpeg2 und VC Codecs

    Antworten
  5. Klaus says:

    Edit: top liefert ca. 15% CPU Last für kodi.bin

    Antworten
  6. Klaus says:

    Hier ein Link zur Lösung: http://forum.kodi.tv/showthread.php?tid=244526

    Die Hardware Beschleunigung vom omxplayer muß eingeschaltet werden.
    Jetzt belastet kodi.bin nur noch mit 5,6% bis 6,6% die CPU.

    Antworten
  7. Der Doktor says:

    Danke für den Test. Ich überlege auch ob ich mir das Display noch kaufe.

    Grüße
    Der Doktor

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  8. Holger says:

    Hallo Jan,

    eine Frohes Neues Jahr wünsche ich Dir und danke für Deinen Beitrag zum Display, ich habe es mir vor einer Woche gekauft 😉
    Da ich nun noch relativer Newbie in Bezug auf den Pi2, Linux usw. bin, habe ich ein paar Fragen.
    Mein Setup und Vorgeschichte: ich möchte das Display zur Steuerung meines Pi2 (aktuelles Openelec mit Kodi) nutzen, konkret, um meine Musik (sowohl via MPD auf meinem Pi1, wie auch jüngst via Logitech Media Server auf meinem Synology NAS) aufrufen zu können, ohne dabei den via HDMI angestöpselten TV an zu haben.
    (quasi Verzicht auf Android-Smartphone-Apps als Fernbedienung)
    Ich weiss inzwischen, dass Display und TV parallel nicht betrieben werden können. Man muss eines davon abkoppeln und kann nach einem Reboot das jeweils andere nutzen.
    Über Openelec greife ich auch auf Videos auf dem NAS zu und nutze die PVR Funktion; d.h., früher oder später muss der TV an sein um Filme zu schauen.
    Nun habe ich das Display soweit schon heruntergedimmt, damit es so wenig Ressourcen wie möglich verbraucht, möchte es aber bei Nichtgebrauch gerne ausschalten. Idee: den hier nutzen: USB 2.0 DC-Kabel mit Schalter A Stecker – Micro B Stecker.
    Wird dieser funktionieren?
    Hätte das vielleicht auch den Vorteil, dass ich die Bildausgabe auf den TV bekomme, wenn das LCD keinen Strom hat (mit Reboot dazwischen)?

    Oder gibt es inzwischen für Openelec eine Option zwischen beiden Displaytypen (softwareseitig) umzuschalten?

    Anm.: Ich hätte kein Problem damit, für die Videonutzung immer den HDMI anzustöpseln, da mein Vorrang ist, die Musikwiedergabe über das Display steuern zu können..

    Wäre super, wenn Du mir da weiterhelfen könntest!

    Ich danke Dir und weiter so!

    Holger

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  9. Maddin says:

    Halloo!
    Hat jemand schon mal ein größeres Display zum laufen bekommen?
    Ich suche eines mit mind. 14“. Eines mit 15,6“ habe ich bei Chalkboard Electronics gefunden. Dort haben mich aber die skeptischen Kommentare, bzw. dass es so gut wie keine Erfahrungsberichte gibt, abgeschreckt.
    Hat jemand etwas dazu?
    Danke! Grüße,
    Maddin

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  10. Jürgen says:

    Hallo,

    der Bericht zum 7″ Display ist schön. Hat hier auch jemand Erfahrungen mit kleineren Displays (z.B. 3,2″)? Ich suche nämlich noch eine Möglichkeit, meine Musik nicht „blind“ auswählen zu müssen, zur Musikwahl-Steuerung aber auch nicht unbedingt den angeschlossenen Fernseher einschalten zu müssen….
    Den HDMI-Anschluß des Raspi möchte ich für’s Display auch nicht blockieren, da ich das Gerät ja auch als Video-Abspieler nutze. … Ich weiß, die eierlegende Wollmilchsau….

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