Ich wollte über das Projekt berichten, doch dann…

30 Okt
30. Oktober 2017

…vergingen rund neun Monate, in denen es um diesen Blog sehr still wurde. Auf Facebook gab es in diesem Zeitraum nur vier Posts von meiner Wenigkeit, und selbst auf Twitter schrieb ich in dieser langen Zeit nur 20 Tweets. Doch was war geschehen, wo ich doch über fünf Jahre regelmäßig irgendeinen Content in dieses Internet gepustet habe? Um es auf ein Wort zu bringen: Fokus.

Wie ich in dem Artikel Lasst die Abenteuer beginnen! im Februar dieses Jahres schrieb, habe ich im November 2016 eine Geschäftsidee gefunden, welche mir sehr sinnvoll wie lohnenswert erschien – und erscheint. Nach gründlicher Vorbereitung und Prüfung der Idee auf deren Machbarkeit genauso wie die Lage am Markt, entschloss ich mich ab Februar mein Studium einzukürzen, Kundenaufträge weitestgehend abzulehnen und mich in die Entwicklung des Produktes zu werfen. Ein für mich großes Abenteuer – oder vielleicht auch mein bislang größtes Abenteuer, da ich mich erstmals Full-Time auf die Arbeit an einem eigenen Projekt konzentriere. Inhaltlich ist das Ziel des Projektes nicht mehr und nicht weniger als Podcasting von einem großen Nischenmedium zu einen massentauglichen Medium zu überführen, das Menschen für fantastische Geschichten begeistert. Der Plan war zu diesem Zeitpunkt die Entwicklung der Arbeit an dem Produkt auch als Geschichte zu erzählen, doch dazu kam es letztlich nicht, da ich feststellen musste, dass die bereits zu erwartende hohe Komplexität noch einmal ein größeres Maß annahm als ich erwartete.

Für die Informatiker unter euch ein kurzer Abriss dessen, was ich gebaut habe bzw. gerade noch baue: Die Grundlage stellt eine Aggregation von Daten dar, die von einer semi-strukturierten Form in eine strukturierte Form überführt werden musste. Dabei reden wir von mehreren Millionen anfallenden Datensätzen pro Stunde, was einer Parallelisierung der Aufgabe über mehrere Server hinweg bedarf. Das Backend der Anwendung besteht zudem aus zwei Teilen, die über beliebig viele Server skalieren und ausbalanciert sein müssen. Zum einen eine klassische API, zum anderen jedoch auch Storageserver, die sich um die Verarbeitung und Auslieferung riesiger Datenmengen (TB bis später PB) kümmern müssen. Als Frontend gibt es nicht nur eine in React geschriebene Weboberfläche, sondern auch eine Android und iOS App, welche alle Daten der Nutzer synchron halten muss. On top gibt es natürlich noch viele andere Themen wie Serverstrukturen, CDNs, Automatisierung wiederkehrender Prozesse und dergleichen. Abseits der informatischen Ebene hört die Arbeit jedoch noch lange nicht auf: Prozessplanung, Geschäftsmodell und Businessplan, Screendesign und Corporate Identity oder die Gründung einer Unternehmensstruktur, um nur ein paar der notwendigen Themen zu nennen.

Egal ob Informatiker oder nicht, denke ich, dürfte deutlich werden, dass diese Anforderung für eine One-Man-Show ziemlich taff ist. Von meinem Bruder wie auch einem Freund erhalte ich gelegentlich ein wenig Unterstützung, für die ich dankbar bin, doch im aktuellen Stadium sind das nur Themen, die am Rand des Tellers liegen aus dem ich heraus blicke.

Die Folge dieser Masse von Anforderungen ist, dass ich seit Februar mit nur zwei Unterbrechungen von insgesamt 14 Tagen soweit es mir möglich war an der Umsetzung dieses Projektes arbeite. Das bedeutet, dass ich aufstehe sobald ich ausgeschlafen bin, da ich gemerkt habe, dass ich ausgeschlafen messbar mehr abarbeiten kann, als wenn ich zu einer fixen Uhrzeit aufstehe, und an gewöhnlichen Tagen arbeite bis ich müde werde, mit einer Stunde, die ich mir zum Abschalten gönne und dann schlafen gehe. Abseits davon versuche ich ein- bis zweimal in der Woche etwas Zeit mit einem Mitmenschen zu verbringen und regelmäßig mit Menschen zu schreiben, die mir wichtig sind, mich regelmäßig zu bewegen und zwischen Code und Code entspannt zu kochen, da sich dies als sinnvoller und notwendiger Ausgleich erwies. Was ich hingegen seit Februar weitestgehend aus meinem Sichtfeld eliminiert habe sind soziale Medien, welche bekanntlich ein Zeitfresser sind. Wenn das für dich nach einem gewöhnungsbedürftigen Lebensstil klingt, dann lass mich dir sagen: Ja, das ist es zunächst in der Tat. Jedoch habe ich persönlich genug Antrieb das durchziehen zu wollen, auch wenn es in dieser Zeit natürlich Phasen gab in denen ich Zweifel hatte, ob das was ich gerade mit meinem Leben mache wirklich der richtige Weg sein kann. Letztlich erinnern mich jedoch zwei Dinge immer daran, dass es wert ist sich so in etwas reinzuknien:

  1. Wenn du Zeit anders verbringen musst als mit deinem Projekt, oder mit Menschen, die dir wichtig sind,
    und der Kopf dir ständig sagt, dass weiter arbeiten jetzt das Richtige wäre, dann arbeitest du an etwas, dass dich wirklich erfüllt.
  2. Wenn du die Reaktionen von Testern, welche die bereits fertiggestellte Teile sehen, beobachten kannst und merkst, dass ein paar von diesen dein Produkt schon vor der Veröffentlichung auf den Testservern regelmäßig nutzen.

Aus meinem Jahr 2017 kann ich vermutlich am Ende ziemlich wenig abseits des Projektes erzählen. Dennoch weiß ich nicht, ob ich mich je zuvor erfüllter als mit dem fühle, was ich momentan Tag ein Tag aus mache. Na klar wäre es schön das Ding nicht alleine anzutreiben, doch vielleicht ist das der Preis dafür etwas aufzubauen, woran man wirklich glaubt. Und sofern das woran ich baue von Menschen wirklich benötigt wird, so ist es absehbar, dass ich nicht mehr ewig jeden Tag in meinem Zimmer aufwache und einschlafe, und sich dazwischen ein Großteil meines Tages um meinen wunderbaren Schreibtisch im eben selben Zimmer dreht. Und selbst wenn ich die vergangenen neuen Monate und die kommenden weiteren Wochen an etwas gebaut habe, was letztlich kein Mensch nutzen wollen würde, so weiß ich nicht, wann in meinem bisherigen Leben ich tiefer in verschiedene Materien eintauchen und lernen konnte, wie man viele zusammenhänge gestalten muss, dass etwas herauskommt, das nicht nur irgendwie funktioniert, sondern den Anspruch erfüllt etwas zu sein, dass das Potential hat, etwas zu verändern.

Falls an dieser wie an anderer Stelle im Netz mein Dasein in den kommenden Wochen weiterhin verwaist sein sollte, so lässt sich in absehbarer Zeit auf ein Ergebnis der Abstinenz freuen. Mit etwas mehr Power als einem Raspberry Pi, welcher mich rund drei Jahre diesen Blog mit Begeisterung regelmäßig füllen ließ.

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2 Antworten
  1. Sebastian says:

    Hallo Jan,
    Ich verfolge deinen Blog jetzt zwar erst seit ein paar Monaten, habe mir aber trotzdem sehr viel durchgelesen und die ganze Zeit sehnsüchtig auf einen neuen Post von dir gewartet. Es freut mich, dass du momentan etwas gefunden hast was dich glücklich macht, auch wenn es fast deine ganze Zeit raubt. Ich wünsche dir auf jeden Fall ein gutes gelingen und freue mich auf weitere Posts deinerseits in der Zukunft.

    Ich wollte nur noch fragen, was jetzt genau mit deinem Studium ist. Du schriebst, dass du dich entschlossen hast dein Studium zu verkürzen und weiterführend aber auch, dass du den ganzen Tag nicht wirklich viel anderes machst als an deinem Projekt weiterzuarbeiten. Ist dein Studium abgeschlossen, hast du geschmissen, oder was ist da Sache?

    Ansonsten weiterhin, wie schon erwähnt, viel Erfolg und Glück auf deinem weiteren Weg.

    Gruß
    Sebastian

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    • Jan Karres says:

      Vielen Dank für deine netten Worte, Sebastian. Mein Studium habe ich im vergangenen wie in diesem Semester umgestellt, sodass ich in diesen zwei Semestern Fächer für ein Semester ablege. Dabei habe ich mir die Fächer jedoch so gelegt, dass der Aufwand durch das Studium weit weniger als die Hälfte des regulären Aufwands ist. Wie es in diesem Belang ab März 2018 weiter geht wird sich dadurch bestimmen wie das Produkt am Markt ankommt und, die dahinter liegende Finanzierung dessen aussieht. Es bleibt also spannend 😉

      Viele Grüße
      Jan

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