Raspberry Pi 2 Model B: Quad-Core-CPU, 1 GB RAM und Windows 10

02 Feb
2. Februar 2015

Mitte letzten Jahres kündigte Eben Upton, Gründer der Raspberry Pi Foundation, noch an, dass es vor 2017 keinen Raspberry Pi 2 geben wird. Heute erschien eben dieses Gerät. Kurzum hat der Raspberry Pi 2 Model B (im Folgenden Raspberry Pi 2 genannt) einen Quad-Core-Prozessor (anstatt Single-Core) und 1 GB anstatt 512 MB Arbeitsspeicher. Dabei ist jedoch sowohl vom Formfaktor als auch von der Hardware die Kompatibilität zum Raspberry Pi B+ beibehalten worden. Als Betriebssystem gibt es mit dem Raspberry Pi 2 nun auch Ubuntu und Windows 10.

Hardware
Der Raspberry Pi 2 wurde von der Raspberry Pi Foundation ohne große Vorankündigung vorgestellt. Optisch ist er kaum vom Model B+ zu unterscheiden, da er sowohl mechanisch als auch elektrisch kompatibel ist. Mit 35 USD ist das neue Modell genau so günstig wie der Raspberry Pi B+. Der Unterschied liegt jedoch in einem vielfach gewünschten stärkeren Prozessor. Konkret kommt in dem neuen Modell ein SoC (System-on-a-Chip) namens BCM2836 (Model B+: BCM2835) zum Einsatz. Der Hersteller Broadcom hat die genauen Spezifikationen noch nicht veröffentlicht, bekannt ist jedoch, dass es sich bei dem Prozessor um einen vier-kernigen ARMs Cortex A7 mit einem Takt von bis zu 900 MHz handelt. Der A7-Prozessor kommt auf Grund seiner Effizienz in diversen SoCs zum Einsatz.

Am verbauten Grafikchip Videocore IV hat sich nichts geändert, was insofern begrüßenswert ist, dass es für diesen inzwischen einen Quelloffenen Grafiktreiber gibt. Jedoch wurde der Arbeitsspeicher im Vergleich zum Raspberry Pi B+ auf 1 GB verdoppelt. Insgesamt sollte damit die Performance auf dem Niveau eines günstigen Smartphones liegen und ist laut der Raspberry Pi Foundation im Vergleich zum Model B+ je nach Anwendung vier- bis sechsmal stärker. Erste Messungen von Heise Online bestätigen diese Aussage.

An der weiteren Ausstattung von vier USB-2.0-Schnittstellen, HDMI, Composite-Video und eine analoge 3,5-mm-Buchse wie auch einen 10/100-Ethernet-Anschluss hat sich nichts verändert. Weiterhin kommt als Speichermedium eine Micro-SD-Karte zum Einsatz. Die GPIO-Schnittstelle verfügt über 40 Pins und die Stromversorgung läuft nach wie vor über Micro-USB. Damit wurde der von manchen Nutzern geäußerte Wunsch nach einen GBit-Ethernet-Anschluss nicht erfüllt und weiterhin ist der Anschluss, wie bei den bisherigen Modellen auch, intern per USB angebunden, was an der Performance knabbert.

Leistungsaufnahme
Ebenfalls Heise Online hat Messungen zur Leistungsaufnahme durchgeführt. Im Idle braucht der Raspberry Pi 2 mit 1,5 Watt genau so viel wie das Model B+. Unter Last des Coremark Benchmark benötigt der B+ 1,6 Watt. Der Raspberry Pi 2 benötigt im Single-Thread-Coremark-Lauf 1,75 Watt und 2,43 Watt, wenn alle vier Kerne verwendet werden. Damit sollten auch Stromspar-Enthusiasten auf ihre Kosten kommen.

Betriebssystem und Software
Mit der Verwendung des ARM Cortex A7 Prozessors steigt die Raspberry Pi Foundation von der ARMv6 auf die ARMv7 Architektur um. Dies ermöglicht, dass neben Raspbian (basierend auf Debian) und weiteren Distributionen auf dem neuen Gerät auch Ubuntu läuft. Aus dem Umstieg der Prozessor-Architektur resultierend muss für den Raspberry Pi 2 jedoch auch ein neues Raspbian Image verwendet werden, denn der neue Kern erfordert auch aktuelle Treiber.

Alternativ zu den Linux Distributionen kündigte Microsoft in Zusammenarbeit mit der Raspberry Pi Foundation an, dass auf dem neuen Gerät das momentan in der Technical Preview stehende Windows 10 (vermutlich ohne grafische Oberfläche, da es eine IoT Verion ist) läuft. Die Version soll bis zum Ende des Jahres kostenlos zur Verfügung stehen. Welche Lizenz des Betriebssystems danach benötigt wird ist aktuell noch nicht klar.

Die neuen Raspbian (Debian) und Ubuntu Images finden sich im Download Bereich von RapberryPi.org. Das Windows 10 Image hingegen muss unter WindowsOnDevices.com im Windows Developer Programm for IoT heruntergeladen werden bzw. man kann sich momentan dafür eingetragen informiert zu werden wenn das Image verfügbar ist.

Verfügbarkeit und alte Modelle
Wie bei der Raspberry Pi Foundation üblich, werden die alten Modelle B+ und A+ in ihrer Produktion weitergeführt. Ein Raspberry Pi 2 Model A ist vor Ende 2015 laut der Organisation nicht in Planung.

Der Raspberry Pi 2 ist international bei element14 und RS Components bereits verfügbar. In Deutschland ist das neue Modell bei Pollin (mit 5€-Newsletter-Gutschein am günstigsten für 38,85€ inkl. Versand), Watterott, Reichelt, Amazon und RS Online in begrenzter Stückzahl verfügbar. Bei Rasppishop.de gibt es das Gerät in wenigen Tagen für 37,99€ inkl. Versand (Bestpreis mit Wartezeit). Aktuell (09.03.2015) ist der Raspberry Pi 2 Model B günstig und auf Lager bei Amazon und Rasppishop.

Konkurrenzdruck
Warum der Raspberry Pi 2 entgegen der Ankündigung bereits jetzt auf den Markt kommt wurde nicht bekanntgeben. Man kann jedoch davon ausgehen, dass ein Konkurrenzdruck dafür verantwortlich ist. Mit dem Odroid C1 steht noch ein recht direkter Raspberry Pi Konkurrent in den Startlöchern. Weitere Platinen, wie der angekündigte Cubietruck CC-A80, der Banana Pi oder Banana Pro, stellen ebenfalls leistungsstärkere Alternativen dar.

Unterm Strich ist das neue Raspberry Pi Modell deutlich schneller und schließt damit im Bezug auf die Performance ansätzlich zur Konkurrenz auf. Jedoch sind einige Ausstattungsmerkmale, auch die Grafikeinheit, weiterhin schwächer als bei vielen anderen Einplatinencomputern. Was jedoch für den Raspberry Pi 2 spricht ist der Preis, der Windows 10 Support und nicht zuletzt die starke Community wie auch die gute softwareseitige Unterstützung der Raspberry Pi Foundation.

Vergleich Raspberry Pi 2 Model B vs. Raspberry Pi B+

Raspberry Pi 2 Model BRaspberry Pi Model B+
Größe85,60 mm × 53,98 mm × 17 mm
System-on-a-Chip (SoC)Broadcom BCM2836Broadcom BCM2835
CPUARM Cortex-A7 (4×900 MHz; ARMv7)ARM1176JZF-S (700 MHz; ARMv6)
GPUBroadcom VideoCore IV (shared VRAM)
Arbeitsspeicher (SDRAM)1024 MB512 MB
USB 2.0 Anschlüsse44
Speicherkartenslot für BetriebssystemmicroSDmicroSD
Netzwerk10/100 MBit Ethernet-Controller
Bussysteme40 GPIO Pins, SPI, I²C, UART
FBAS/CompositeJa, in Kombination mit 3,5mm Jack
AudioausgabeOnboard 3,5 mm Klinken
Leistungsaufnahme5 V 2A
Stromquelle5 V Micro USB Anschluss
Betriebssystem (vorinstalliert)
Preis35 US-Dollar
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22 Antworten
  1. Nils says:

    Bin mega begeistert von den Benchmarks, habe mir meinen RP2 bei RS Components bestellt und werde mal alles ausprobieren.

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  2. @bildstrich says:

    Bin auch sehr gespannt und werde mir auf jeden Fall ein Modell bestellen! Wird sicherlich einiges an Performance als Home- und Webserver bringen.

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  3. Björn says:

    Sehr sehr geil muss ich sagen! War schon etwas enttäuscht als es hieß, dass es vorerst keinen Nachfolger geben wird. Hast du vor etwas über die Webserver Performance zu schreiben? Vor allem mit php? Denn das 1. Modell B lässt in Sachen Geschwindigkeit doch noch Raum nach oben 😉

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  4. Kandinsky says:

    Was den Raspberry unschlagbar macht ist in erster Linie seine weltweit getreue Community, und damit die unzähligen Programme, die als OpenSource gelten.

    Das Microsoft nun sein widerwärtiges Windows 10 anbiedert, empfinde ich als widerwärtig. Man kann nirgendwo das Image einfach downloaden, es ist eine Registrierung notwendig. Und Windows 10 als OpenSource…, selten so gelacht. Weiterhin versucht Microsoft User zu angeln und damit in „Abhängikeit“ zu treiben…, nun ja, wer so dumm ist!

    Raspberry Pi und Linux und OpenSource…, etwas anderes geht gar nicht.

    Schönen Gruß und Dank an die Engländer 🙂

    Kandinsky

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    • Jörg Kraushaar says:

      Die Hölle friert langsam zu.

      Gebt den Jungs aus Redmont eine Chance.
      Windows 95 war besser als jedes Unix seiner Zeit.
      Wenn Sie die Community weiter unterstützen und Ergebnisse unter freien Lizenzen veröffentlichen sollte man Ihnen die Sünden vergeben und sie wie Red Hat oder Google als jemanden wahrnehmen der eben mit Software Geld verdienen muss.
      Ich jedenfalls freue mich auf Raspberry Windows 10 und bleibe trotzdem meinem Raspian treu.
      Joerg

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    • Jan Karres says:

      Ehrlich gesagt kann ich mir produktiv auch nichts anderes als Linux-Distributionen auf dem Raspberry Pi vorstellen 😀

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  5. RoMaTiX99 says:

    Vergleich zum Odroid C1 … was würdet ihr empfehlen?

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    • Jan Karres says:

      Wenn der Odroid C1 inzwischen einen ordentlichen Treiber für den Mali-450 MP2 GPU hat ist sollte dieser leistungsstärker sein. Hat jedoch eine verhältnisweise kleine Community.

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  6. Stefan says:

    Weiss man ob Windows 10 für den RPi 2 nen Desktop mitbringt oder läuft des headless?

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  7. Jake says:

    Gibt es denn schon ein Image für Windows 10, oder registriert man sich nur um informiert zu werden wenn eins kommt ?

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  8. R. Martin says:

    Hey,

    ich habe heute umfangreiche Tests zum Raspberry Pi 2 B erstellt.
    Da ich noch am RPi (1 B) und dem Banana Pi arbeite sind die Ergebnisse vermutlich erst morgen abend alle online:

    http://webdesign.online-arts.de/content,31,raspberry-pi-2-b-in-leistungstests-%28benchmarks%29.htm

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  9. Martin says:

    Hi, habe mir deine Zahlen angeschaut und war beeindruckt. Ein Test mit der aktuellen Raspbian auf die cpu zeigt mir aber dass nach dem Systemstart/Boot nur der erste Core (0) aktiv (enable) ist. Die Cores 1-3 stehen auf disabled.
    Vielleicht kannst du mal mit „lshw“ deine Testumgebung prüfen?

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  10. Martin says:

    Im Forum raspberry.org wird aktuell diskutiert, warum der Arbeitsspeicher nicht komplett zur Verfügung steht.

    „The user/kernel virtual memory split currently in use is

    CONFIG_VMSPLIT=3G

    Which has a side effect of „eating“ 240MiB of ram (for vmallocs). The ideal virtual split would be 2G/2G but this has caused problems with a couple of applications, namely Sonic Pi. Once the userland programs are fixed then we can move to a split that doesn’t have this limitation.“

    Wenn die GPU MemSize auf 128MB gesetzt wird ändert sich trotzdem am verbleibenden Restspeicher nichts. Ich denke da liegt noch einiges an Performancegewinn bei der Nutzung der CPU Cores und RAM drin 😉

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